Allianz verdient 97,5 Prozent weniger

Versicherer muss nochmals für Dresdner büßen und schwächelt im Kerngeschäft ·Keine Jahresprognose

Von Herbert Fromme, Köln

Nur mit Mühe hat der Allianz-Konzern im ersten Quartal 2009 einen erneuten Verlust vermeiden können. Das Ergebnis ging von 1,15 Mrd. Euro im ersten Quartal 2008 auf magere 29 Mio. Euro im laufenden Jahr zurück. Anleger reagierten negativ: Die Aktie verlor 7,76 Prozent auf 69,74 Euro.Euro

Für das Gesamtjahr 2008 hatte die Allianz 2,44 Mrd. Euro Defizit gemeldet. Verluste der inzwischen an die Commerzbank verkauften Dresdner Bank sowie der Preisverfall an den Kapitalmärkten trafen den Versicherungs- und Finanzkonzern schwer. Beide Faktoren wirkten sich auch in den ersten drei Monaten 2009 noch negativ aus. Allerdings schwächelt die Allianz wegen der Rezession inzwischen auch in ihrem Kerngeschäft, dem Verkauf von Versicherungspolicen.

„Wir hatten einen letztmaligen Effekt aus dem Verkauf der Dresdner Bank von 400 Mio. Euro“, sagte Finanzchef Helmut Perlet in einer Telefonkonferenz. Darauf habe die Allianz bereits bei der Vorstellung der Jahreszahlen hingewiesen. Außerdem kostete die Finanzkrise viele Millionen: Auf die Beteiligung an der spanischen Banco Popular musste die Gruppe 165 Mio. Euro abschreiben, auf die am US-Lebensversicherer Hartford 114 Mio. Euro. Dazu kamen weitere Abschreibungen, Wertberichtigungen und Restrukturierungskosten. Verrechnet mit Gewinnrealisierungen aus Wertpapierverkäufen belasteten sie das Ergebnis mit einem Verlust von 979 Mio. Euro aus dem nicht-operativen Geschäft. Im Vergleichsquartal des Vorjahres war das nicht-operative Ergebnis noch mit 1,14 Mrd. Euro positiv gewesen.

Auch operativ ging der Gewinn zurück. Doch Perlet zeigte sich zufrieden mit dem operativen Ergebnis von 1,4 Mrd. Euro. „Ich würde das angesichts des Marktumfelds als ordentlich bezeichnen“, sagte er. Die Zahl liege zwar um 36 Prozent oder 800 Mio. Euro unter dem Vergleichswert des ersten Quartals 2008, aber um 500 Mio. Euro über dem des vierten Quartals.

Für das volle Jahr wollte Perlet keine Gewinnprognose abgeben. In normalen Zeiten sei ein operativer Gewinn von 8 Mrd. Euro drin – „wir haben aber keine normalen Zeiten“. Das zweite Quartal werde noch einmal mit Abschreibungen von 300 Mio. Euro bis 400 Mio. Euro belastet, sollten die Aktienmärkte auf den heutigen Ständen verharren.

Perlet erwartet im Kerngeschäft Schaden- und Unfallversicherung (Gebäude, Hausrat, Autos, Haftpflicht, Unfall) die Trendwende bei den Preisen. Im ersten Quartal war sie kaum zu spüren: Das operative Ergebnis dieses Segments ging von 1,48 Mrd. Euro auf 970 Mio. Euro zurück. Dazu trugen zwar Einmalfaktoren bei, die sich 2008 positiv auswirkten. Doch auch die negative Entwicklung des Kreditversicherers Euler Hermes schlug zu Buche – mit einer Ergebnisverschlechterung von 80 Mio. Euro. Über alle Bereiche und Länder verschlechterte sich die Schaden- und Kostenquote von 94,8 Prozent auf 98,5 Prozent der Beitragseinnahmen. Positive Ausnahme: Der Industrieversicherer Allianz Global Corporate & Specialty verbesserte seinen Aufwand für Schäden und Kosten von 97,3 Prozent der Beiträge auf 85,5 Prozent. Das dürfte Forderungen der Industrieversicherer nach Preissteigerungen entgegenwirken.

In der Lebensversicherung bereitet der US-Markt der Allianz Sorgen. Zwar stiegen die Prämien um 37,8 Prozent auf 2,13 Mrd. Euro. Doch das sei nicht einfach positiv, so Perlet. Es gebe kurz vor der Einführung einer neuen Variable-Annuity-Lebensversicherung (VA) einen Ausverkauf bisheriger Policen. Die aber kosten den Konzern eher Geld, als dass sie zum Gewinn beitragen: Um die in den bisherigen VA-Policen enthaltenen Garantien zu stützen, musste die Allianz nach Perlets Angaben in den USA 200 Mio. $ aufwenden. Davon waren nur 100 Mio. $ bei Banken abgesichert.

In Deutschland gingen die Prämien der Allianz Leben um 2,8 Prozent zurück. Das sei mit dem Auslaufen eines steuersparenden Lebensversicherungsmodells zu erklären, für das 2008 zum letzten Mal Beiträge flossen. Außerdem verbuchte das Unternehmen deutlich weniger Einmalbeiträge von Unternehmen zur Ausfinanzierung ihrer Pensionsverpflichtungen, ergänzte ein Allianz-Sprecher.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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