Einheits-Stresstest für Versicherer

Europas Top 30 müssen ab 2010 ihre Finanzstärke nachweisen

Von Herbert Fromme, Bonn

Die Versicherungsaufseher in der Europäischen Union (EU) werden 2010 die 30 größten Unternehmen der Branche erstmals einem einheitlichen Stresstest unterziehen. Grundlage seien dann die Bilanzzahlen für 2009, sagte Thomas Steffen, Chef der Versicherungsaufsicht bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Mit Stresstests messen die Aufseher, ob und wie die Firmen große Ausschläge bei Aktienkursen und Zinsen aushalten.

Die Assekuranz sei in Europa und global stark verflochten, sagte Steffen, der auch Vorsitzender des EU-Ausschusses der Versicherungsaufseher Ceiops ist. „Diese Verflechtung macht es unmöglich, die Versicherer nur in einem deutschen Rahmen zu beaufsichtigen.“

Die Versicherer seien weder Auslöser noch Teil der Finanzkrise – „aber sie sind untrennbarer Teil des Finanzmarkts“, sagte Steffen. Ansteckungsgefahr herrsche wegen der Verflechtung mit Banken und möglicher Risiken in den USA.

Auch das niedrige Zinsniveau lasse die Branche leiden. „Wir müssen selbstverständlich mittel- und langfristige Szenarien errechnen, wie sich das auf die Versicherungen auswirken könnte“, sagte Steffen. Den deutschen Stresstest hatten 2008 sieben Schaden- und Unfallversicherer, zwei Lebens- und ein Krankenversicherer sowie zwölf Pensionskassen nicht bestanden. Das waren ein Lebensversicherer und vier Pensionskassen mehr als 2007. Alle hätten auf Drängen der BaFin ihre Risiken reduziert, sagte Steffen.

Steffen wollte nicht sagen, ob er dem Bundesfinanzministerium vorschlagen wird, den Garantiezins der Lebensversicherer von jetzt 2,25 Prozent ab 2010 zu senken. Erst müssten die Versicherungsmathematiker den Zinsbericht vorlegen.

Vehement wandte sich Steffen gegen Diskussionen um eine Abtrennung der Versicherungs- von der Bankenaufsicht. Die Kooperation mit der Bankenaufsicht der BaFin laufe hervorragend. Zu Vorstellungen, die BaFin mit der Bundesbank zusammenzulegen, sagte er: „Die Bundesbank hat kein Mandat, genauso wenig wie die EZB auf der europäischen Ebene, für irgendeine Rolle in der Versicherungsaufsicht.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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