Geht es dem Kunden schlecht, leiden die Makler mit

Die Vermittler stellen sich darauf ein, dass sie im kommenden Jahr die Folgender Wirtschaftskrise zu spüren bekommen

Von Patrick Hagen

Versicherungsmakler rechnen damit, dass sie im kommenden Jahr die Auswirkungen der Finanzkrise zu spüren bekommen. „Unsere Kunden erleiden Umsatzeinbußen, die auch auf uns negative Auswirkungen haben, zwar nicht sofort, aber 2010“, sagt Leberecht Funk, Vorsitzender des Verbands Deutscher Versicherungsmakler (VDVM) und Chef des Maklers Funk. „Unternehmen stehen unter Druck, Kosten zu sparen, auch auf Versicherungsseite.“

Anders als Versicherungsvertreter sind Makler im Auftrag des Kunden tätig und müssen für ihn die beste Lösung finden. Ihre Bezahlung ist aber meistens abhängig vom Volumen des vermittelten Geschäfts. Es gibt zwei Vergütungsmodelle: Klassisch bekommen die Makler eine Courtage, üblich sind 15 Prozent der Versicherungsprämie. Im Geschäft mit internationalen Konzernen ist die Bezahlung über Beraterhonorare weitverbreitet.

Die Probleme ihrer Kunden wirken sich auf die Makler aus. Legt ein Unternehmen etwa Teile seiner Fabriken still, braucht es dafür auch keine Betriebsunterbrechungsversicherung. „Unternehmen fragen verstärkt nach, auf welchen Versicherungsschutz sie verzichten können“, sagt Robert von Bennigsen, geschäftsführender Gesellschafter beim Hamburger Makler BDJ. Zusätzlich erhöhten die Unternehmen auch den Selbstbehalt, also die Summe, die sie im Schadensfall selber tragen. „Makler, die nur auf Courtagebasis arbeiten, sind besonders betroffen, wenn das versicherte Volumen kleiner wird“, sagt Sven Erichsen, Chief Broking Officer beim deutschen Marktführer Aon Jauch & Hübener. Aber auch Großmakler, die zu einem größeren Teil mit Honoraren arbeiten, bekommen zu spüren, wenn Unternehmen weniger Geld für Versicherungen ausgeben wollen. Diese Honorare werden bei vielen Konzernen als Beratungskosten gebucht – und die Konzerne beschließen oft radikale Kürzungen in den Beratungsbudgets.

Hans-Otto Geiger, der Vorsitzende des Bundesverbands firmenverbundener Versicherungsvermittler und -gesellschaften (BFV) hält nicht viel vom Sparen in der Krise. „Wenn ich jetzt ein Risiko selbst trage, muss ich mich fragen, warum ich das nicht schon vorher gemacht habe“, sagt Geiger, Chef der Palatina Versicherungs-Vermittlung, dem firmeneigenen Makler des Pumpenherstellers KSB. „Sparen in der Krise ist schlechtes Risikomanagement.“ Firmenverbundene Vermittler sind eine deutsche Besonderheit. Fast jedes Großunternehmen hat einen eigenen Makler, der die Risikobewertung übernimmt und die Versicherung arrangiert. In vielen Fällen arbeiten sie mit externen Maklern zusammen.

Der Anteil der Firmenverbundenen am gesamten Prämienaufkommen in der Industrieversicherung liegt nach Schätzungen zwischen 40 und 60 Prozent. „Es gibt rund 200 zugelassene firmenverbundene Vermittler“, sagt Geiger. Der BFV hat 75 Mitglieder.

Alle Makler kämpfen mit Umsatzeinbrüchen im Kerngeschäft. Die Prämien sinken seit 2004 und damit auch die Provisionen. Bei den Honoraren liefern sich Makler Preiskämpfe. Großmakler wie Aon, Marsh oder Willis sind deshalb auf der Suche nach neuen Einnahmequellen. Aon hat eine Gebühr für die Ausstellung von Rechnungen in Höhe von 100 Euro eingeführt, Marsh und Willis versuchen seit 2007, eine Sonderprovision von 2 Prozent durchzusetzen. Das kommt bei den Kunden nicht gut an.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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