Versicherer Inter fordert Aufsicht heraus

Söhne des Aufsichtsratschefs sollen Vorstand besetzen

Von Herbert Fromme, Köln

Die mittelgroße Versicherungsgruppe Inter in Mannheim bekommt eine neue Führung – in einem Deal, der in der Assekuranz Besorgnis über die Wirkung auslöst. Die Söhne des heutigen Aufsichtsratschefs Jürgen List, 83, sollen in Vorstände einziehen. List will seinen Posten Ende 2009 aufgeben.

Der als finanziell schwachbrüstig geltende Konzern hat 2900 Mitarbeiter und Prämien von rund 800 Mio. Euro im Kerngeschäft. Er wird von einem Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit geführt. Die an feudale Erbfolgen erinnernde Personalrochade wirft Fragen in Zusammenhang mit den Regeln der guten Unternehmensführung (Corporate Governance) in diesen Vereinen auf, denn auch auch große Versicherer wie HUK-Coburg, Signal Iduna, Gothaer oder Alte Leipziger haben diese Rechtsform. Der Wechsel bei der Inter dürfte – sollte die Finanzaufsicht BaFin ihn genehmigen – zu einer politischen Debatte über die Vereine führen.

Neben List geht auch Vorstandschef Bernd Jansen, 61, Ende 2009 in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Peter Thomas, 57. Er ist heute Chef der Condor Versicherungsgruppe in Hamburg, die gerade von der Oetker-Gruppe an die R+V verkauft wurde. Bei der Inter wird er schon ab 1. Juli stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender. Über die Nachfolge Lists an der Aufsichtsratsspitze ist noch nicht entschieden. Jansen geht nicht in den Aufsichtsrat.

List bestätigte entsprechende FTD-Informationen. Problematisch wird der Wechsel nach Ansicht von Branchen-Insidern durch den Aufstieg der List-Söhne Thomas und Michael. Michael List soll Vorstand bei der Inter Allgemeine werden, Thomas List bei der Inter Kranken und Inter Leben. List selbst war vor seinem Wechsel in den Aufsichtsrat 1996 mehr als 20 Jahre Vorstandschef. Während die BaFin die Ernennung des Konzernchefs Peter Thomas schon abgenickt hat, steht die Zustimmung zu den List-Söhnen noch aus. Bei einer Anfrage 2001 hatte die Aufsicht das Plazet verweigert, weil ihr Vater dem Aufsichtsrat vorstand.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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