Anleger sollen Schiffsfonds retten

Fondshaus Hamburg muss wohl Investoren um frisches Geld bitten

Von Patrick Hagen

Das Fondshaus Hamburg (FHH) braucht voraussichtlich für acht seiner Schiffsfonds zusätzliches Geld der Anleger. Bei dem Fonds Nr. 29, der die zwei kleineren Containerschiffe „Tampa Bay“ und „Turtle Bay“ finanziert, stimmten die Investoren dem Rettungsplan des Hamburger Emissionshauses bereits zu. „Unser Ziel ist, dass keiner unserer Schiffsfonds Insolvenz anmelden muss“, sagt FHH-Geschäftsführer Jens Brandis.

Einige der Fonds haben bereits Liquiditätsprobleme, bei anderen laufen die Mietverträge noch dieses Jahr aus. Die Schiffe werden keine auskömmliche Anschlussbeschäftigung finden. Die Probleme der Fonds beleuchten die Situation vieler Schiffsbeteiligungen, deren Charterverträge jetzt enden: Durch die schwere Krise in der Containerschifffahrt finden sie entweder gar keine Beschäftigung oder nur zu sehr niedrigen Preisen.

Auch die beiden Schiffe in dem FHH-Fonds Nr. 29 sind zwar verchartert, verdienen aber nicht genug Geld, um neben den Betriebskosten auch noch Zins und Tilgung für die Schiffshypothek zu decken. Das Containerschiff „Tampa Bay“, das derzeit rund 4000 $ am Tag verdient, war vor zwei Jahren noch zu einer Rate von 12 250 $ beschäftigt. Das Fondshaus und die Reederei NSC Schifffahrtsgesellschaft, die das Schiff betreibt, haben bereits mit einer Liquiditätsspritze von 1 Mio. $ geholfen.

Um den Fonds zu retten, sollen Anleger und die beteiligte Bank, die HypoVereinsbank, jetzt jeweils 1,3 Mio. $ geben. Damit soll der Fonds die Krise überstehen. Das Sanierungskonzept sieht vor, dass die beiden Schiffe erst 2011 wieder Zins und Tilgung erwirtschaften können. Bank und Anleger haben bereits zugestimmt. Auch für die anderen Problemfälle ist eine Beteiligung der Banken entscheidend, sagt Brandis. „Ohne die Teilnahme der Banken müssten die Fonds Insolvenz anmelden.“

Anleger, die zusätzliches Kapital einzahlen, bekommen zehn Prozent Zinsen jährlich. Dazu kommt eine einmalige Bonuszahlung von 50 Prozent bei der Auflösung des Fonds. Die nachträglichen Einzahlungen werden vorrangig bedient. Wer sich nicht beteiligt, wird dagegen erst an letzter Stelle berücksichtigt. „Die Anleger können so mögliche Verluste bei ihrem Altkapital abfedern“, sagt Brandis.

Eine Pflicht für die Investoren, Geld zuzuschießen, gibt es nicht. Da der Fonds als Tilgungsfonds konzipiert war, also möglichst schnell das Bankdarlehen abbezahlen sollte, gab es noch keine Auszahlungen an die Anleger, die jetzt zurückgefordert werden könnten.

Aber auch in anderen Fällen will FHH darauf verzichten, für eine Sanierung von Fonds Ausschüttungen von den Investoren zurückzufordern.

Diese Möglichkeit gibt es, wenn Auszahlungen nicht aus handelsrechtlichen Gewinnen geleistet wurden. Der Hamburger Initiator Lloyd Fonds verlangt solche Ausschüttungen gerade von den Anlegern der „Emilia Schulte“ zurück, verzinst das Geld aber ebenfalls extra.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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