Großfusion der Rückversicherer

Bermuda-Gesellschaft Partner Re kauft Paris Re · Private-Equity-Firmen machenKasse

Von Herbert Fromme, Köln

Der Bermuda-Rückversicherer Partner Re kauft für 2 Mrd. $ den in Zug in der Schweiz beheimateten kleineren Konkurrenten Paris Re. Damit entsteht ein Rückversicherer mit 5,4 Mrd. $ Prämie. Zwar ist Partner Re beim Beitragsvolumen damit noch weit von Münchener Rück mit 21,8 Mrd. Euro oder Hannover Rück mit 8,1 Mrd. Euro entfernt. Aber das Unternehmen spielt seit langem in der ersten Liga mit und hat sich hohen Respekt in der Branche erworben. Hannover-Rück-Chef Ulrich Wallin hält Partner Re neben der Münchener Rück für den zur Zeit wichtigsten Konkurrenten.

Der Erwerb von Paris Re durch Partner Re erfolgt durch Aktien. Partner Re hatte vor kurzem bereits sechs Prozent an Paris Re erworben, jetzt kommen durch mehrere schon festgezurrte Deals mit großen Aktionären weitere 57 Prozent bis Ende 2009 hinzu.

Partner Re gibt 0,3 eigene Aktien pro Paris-Re-Papier. Die Aktionäre der Paris erhalten vor der Transaktion außerdem von ihrer eigenen Gesellschaft 310 Mio. $ in bar. Im kommenden Jahr übernimmt Partner Re die übrigen Anteile.

Paris Re wurde 2006 von Private-Equity-Firmen gegründet. Für die Anteilseigner und erst recht die Gründungsaktionäre bedeutet der Deal einen höchst profitablen Ausstieg. Zweck der Gründung von Paris Re war die Übernahme des Rückversicherungsgeschäfts der Axa, das als Axa Re bekannt war. Mit rund 1,4 Mrd. $ Bruttoprämieneinnahmen gehört Paris Re zu den mittelgroßen Rückversicherern. Größter Einzelaktionär ist das Private-Equity-Unternehmen Hellman & Friedman mit 16 Prozent, auch die anderen Großaktionäre stammen aus dem Private-Equity-Umfeld. Rund 34 Prozent der Anteile sind gestreut.

Die Axa trägt immer noch die Risiken für Altlasten aus den Jahren vor 2006. Damit ist die Übernahme für Partner Re viel risikoärmer als der Kauf eines Rückversicherers normalerweise ist.

Rückversicherer versichern Versicherer – für die der globale Ausgleich entscheidend ist. „Wir hatten Geschäftssparten zu bieten, die Partner Re nicht so ausgeprägt hat, und waren auch durch unsere Präsenz in den aufstrebenden Märkten für Partner Re sehr interessant“, sagte Paris-Re-Chef Peter Gerhardt der Financial Times Deutschland.

Auch die starke Position der Paris Re im europäischen Geschäft war für Partner Re interessant, obgleich sich die 1993 gegründete Bermuda-Gesellschaft bereits in den 1990er-Jahren hier niederließ und die französische SAFR sowie die Rückversicherungssparte der Winterthur kaufte. Damit überwand Partner Re früh den Mangel der meisten Bermuda-Firmen, stark in den USA und schwach in Europa zu sein.

Partner Re beschäftigt 950 Mitarbeiter, Paris Re 390. Für ein Jahr sind die Arbeitsplätze garantiert. „Auch danach ist Kostensenkung nicht der Hauptzweck des Deals“, sagte Gerhardt, der das Geschäft mit eingefädelt hat. Er will bis zum Closing im Herbst im Amt bleiben. „Partner Re ist an der Spitze bereits gut aufgestellt, da nehme ich nicht an, dass ich dort bleiben werde.“ Der Abschied wird ihm versüßt: Nach Branchenangaben hält er rund ein Prozent an Paris Re.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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