Index belegt Crash der Schiffsfonds

Analysehaus TKL berechnet neues Branchenbarometer auf Basis fiktiverBeteiligungen

Von Patrick Hagen

Die Börsen Hamburg und Hannover veröffentlichen seit gestern einen Index, der die Wertentwicklung von Schiffsfonds abbilden soll. Der SFI TKL Ship Fund Index soll die Anlage in Schiffsfonds für Investoren transparenter machen und einen Vergleich ihrer Wertentwicklung mit der von Aktien zulassen. „Der Index liefert eine adäquate Benchmark dafür, was in der Vergangenheit mit Schiffen verdient wurde“, sagt Lars Tegtmeier, Geschäftsführer des Hamburger Analysehauses TKL Fonds, das den Index konzipiert hat.

Anders als bisherige Indizes, die die Kurse von Fondsanteilen am Zweitmarkt zeigen, stellt das neue Barometer den Wert eines Portfolios aus fiktiven Schiffsfonds dar, die in jeweils ein Schiff aus 18 verschiedenen Typen und Größen investieren. Der SFI verdeutlicht, wie dramatisch die Schiffskrise auf die Fonds durchschlägt.

Für die Berechnung unterstellt Tegtmeier, dass das Schiff zu einem durchschnittlichen Kaufpreis gekauft wird, zu jeweils durchschnittlichen Preisen verchartert, also vermietet wird und dass die anfallenden Betriebskosten ebenfalls immer genau mit dem Marktdurchschnitt übereinstimmen. Die entsprechenden Zahlen liefern große Schiffsmakler wie Clarksons.

„Die Besonderheit ist, dass der SFI wie ein Aktienindex berechnet wird“, sagt Tegtmeier. Der jeweilige Wert der Schiffsbeteiligungen basiert auf dem aktuellen Schiffswert abzüglich des Fremdkapitalanteils. Dazu kommen die gezahlten Ausschüttungen. Schiffsfonds finanzieren in der Regel nur etwa 65 Prozent eines Schiffes mit Eigenkapital, der Rest kommt über ein Schiffshypothekendarlehen.

Sinken die Preise für gebrauchte Schiffe, drückt das den Wert der Beteiligung und damit den Index. Das Gleiche gilt, wenn durch niedrige Charterraten weniger Geld an die Anleger ausgeschüttet wird. Beides ist in der derzeitigen Schifffahrtskrise der Fall. Die fiktiven Beteiligungen können auch pleitegehen und aus dem Index ausscheiden.

Der Index ist rückwirkend ab dem 1. Januar 1997 berechnet und zeigt, wie sich die derzeitige Schifffahrtskrise in der Wertentwicklung geschlossener Schiffsfonds niederschlägt. Für den 31. Mai 2009 steht der Index bei 150,20 Punkten, bei einem Basiswert von 100. Noch am 31. Oktober 2008 zeigte der Index seinen bisherigen Höchstwert von 375,82 Zählern. Den Tiefpunkt erreichte er am 28. Februar 1999 mit 22,01 Punkten.

Bei den aktuellen Werten hat die Methode allerdings den Nachteil, dass Schiffsmakler seit Beginn der Krise keine Schiffswerte mehr veröffentlichen, da es derzeit keinen Markt für gebrauchte Schiffe gibt. „Wir greifen zurzeit auf Schätzpreise zurück, die auf historischen Werten beruhen“, sagt Tegtmeier. „Sollten die Schiffsmakler die Daten später nachreichen, berechnen wir den Index neu.“ Es ist also gut möglich, dass die Werte, die das Barometer anzeigt, zu hoch sind.

Der Index richtet sich laut Tegtmeier vor allem an professionelle Investoren und Vermögensverwalter, die ihn als Entscheidungshilfe oder als Benchmark für ihre Investitionen nutzen können.

Der SFI spiegelt allerdings nur die Wertentwicklung eines Gesamtportfolios wider, in dem alle Schiffstypen und -größen gleich gewichtet sind. Die Märkte für Containerschiffe, Massenguttransporter und Tanker entwickeln sich jedoch sehr unterschiedlich. Das mindert die Aussagekraft des Barometers. Was der Index nicht kann, bietet TKL Fonds als kostenpflichtige Dienstleistung an. Investoren können sich einen Index zimmern lassen, der maßgeschneidert den eigenen Bestand an Schiffsfonds abbildet.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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