Makler Marsh kritisiert Selbstbehalt für Manager

Haftpflichtneuerung „führt nicht zu mehr Umsicht“

Von Herbert Fromme, Frankfurt

Der neue Selbstbehalt in der Managerhaftpflicht wird nicht die angestrebte positive Wirkung haben, kritisierte Felix Hufeld, Deutschlandchef des weltgrößten Versicherungsmaklers Marsh. „Das vom Gesetzgeber angestrebte Ziel umsichtigerer Manager wird nicht erreicht“, sagte Hufeld. Es handele sich um reinen Populismus. Das Gesetz werde zu mehr Angst und noch mehr Bürokratie bei Entscheidungen führen.

Der Bundesrat berät am Freitag über das „Gesetz zur Angemessenheit von Vorstandsvergütungen“, das der Bundestag bereits verabschiedet hat. Darin wird ein Selbstbehalt bei Schäden von Managerhaftpflichtversicherungen von zehn Prozent mit der Obergrenze von 1,5 Jahresgehältern für Vorstände festgelegt. Die Directors‘ and Officers‘ Liability (D&O) deckt Manager und Aufsichtsräte gegen Schäden aus ihrer Berufstätigkeit.

Im Gegensatz zu anderen Maklern sagte Hufeld, bislang sei nicht eindeutig geklärt, ob der Selbstbehalt auch für Abwehrkosten gelte – wenn sich ein Vorstand mithilfe teurer Anwälte gegen Vorwürfe wehren müsse. Dazu komme, dass die meisten D&O-Schäden durch außergerichtliche Vergleiche geregelt würden. „Da stellt sich die Frage, ob der Selbstbehalt auch für den Vergleich gilt“, sagte er.

Hufeld schätzt die Prämieneinnahmen im deutschen D&O-Markt, für den die Branche keine Statistiken vorlegt, „eher auf 300 Mio. Euro als auf 500 Mio. Euro“. In den Vertragserneuerungen Anfang 2009 seien die Preise bei Großkunden um durchschnittlich fünf Prozent gefallen, wenn es sich nicht um Banken oder andere Finanzunternehmen handelte. Der angeschlagene US-Versicherer AIG „verteidigt erfolgreich mit wettbewerbsfähigen Prämien seine Marktanteile“. Marktführer bei Konzernen sei die Allianz, gefolgt von AIG und Zurich.

Hufeld erwartet durch die Krise eine Schadenwelle für die D&O-Versicherer. Dennoch werde es auch 2010 für die Großindustrie keine höheren Prämien geben, wohl aber für Banken. „Dort werden die Risiken sehr individuell betrachtet.“ Im Mittelstand träten weiter eher wenige Schäden auf, dort blieben die Preise niedrig.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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