Reeder planen Bad Bank für Schiffe

Auffanggesellschaft soll bis zu 500 Frachter mieten

Von Patrick Hagen, Köln

Deutsche Banken und Reeder bereiten die Gründung einer Auffanggesellschaft für überflüssige Containerschiffe vor. Ein entsprechendes Konzept haben Branchenvertreter nach FTD-Informationen auf einem ersten Treffen in Hamburg diskutiert. Die von Reedern und Banken finanzierte Auffanggesellschaft „Baltic Max Feeder GmbH“ soll demnach bis zu 500 Containerfrachter mieten. Weltweit gibt es nur rund 4700 dieser Schiffe.

Ähnlich wie die Bad Banks der Finanzbranche soll die Gesellschaft die Reeder von ihren Verlustbringern befreien und gleichzeitig den ruinösen Preisverfall der Schiffsmieten stoppen. Diese sogenannten Charterraten liegen derzeit auf einem absoluten Tiefpunkt. Die Reeder und Emissionshäuser würden durch Beitragszahlungen an die Gesellschaft die Verluste aller Schiffe untereinander aufteilen. Die Betreiber der geparkten Schiffe erhalten eine Rate, die mindestens die Betriebskosten und die Zinszahlungen an die Banken deckt. So wären sie nicht mehr gezwungen, ihre Schiffe zu Verlustpreisen zu vermieten.

Konzept gegen Überangebot

Grundlage des Systems ist ein der FTD vorliegendes Konzept des Steuerberaters Hermann Neemann. Sein Plan steht und fällt mit der Beteiligung der Banken. Er sieht vor, dass sie für die Beiträge der Reeder bürgen. Bei dem Treffen anwesend waren auch der weltgrößte Schiffsfinanzierer HSH Nordbank und die Nummer vier der Branche, die Deutsche Schiffsbank. Sie gehört mehrheitlich der Commerzbank. Die Banken könnten so sicherstellen, dass Reeder ihnen weiter Zinsen zahlen können. „Die Idee ist auf Wohlwollen und Interesse gestoßen“, hieß es aus Bankenkreisen. Über die Gründung einer solchen Gesellschaft sei aber noch keine Entscheidungen gefallen.

Die weltweite Schifffahrtskrise trifft besonders Charter-Reedereien. Sie vermieten ihre Schiffe an Linienreedereien, die dann den eigentlichen Transport organisieren. Besonders schlecht ist die Lage für kleinere Containerschiffe. Diese sogenannten Feeder verteilen die Güter von den großen Häfen weiter an kleinere.

Wie stark die Preise gesunken sind, zeigt das Fondsschiff „Emilia Schulte“. Das Hamburger Emissionshaus Lloyd Fonds braucht 2,8 Mio. Euro von seinen Anlegern, um den Fonds zu retten. Und erst vergangene Woche mussten drei andere Betreiber von Feederschiffen Insolvenz anmelden.

Erfolg von Banken abhängig

Nach Neemanns Berechnungen braucht die Gesellschaft 50 Mio. Euro allein im ersten Jahr, um Schiffe ohne Beschäftigung zu finanzieren. Die Beiträge der Reeder und Emissionshäuser für die Auffanggesellschaft sollen sich an der Tragfähigkeit pro Standardcontainer (TEU) ihrer Schiffe orientieren. Für das Stammkapital müssen sie pro Schiff und TEU 10 Euro Stammkapital zahlen, für ein Schiff mit 1000 TEU also einmalig 10 000 Euro. Dazu kommen stille Beteiligungen von zunächst 75 Cent pro Tag und TEU.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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