Sparkassenlager hält zusammen

Öffentlich-rechtliche Versicherer lehnen Abspaltung aus Finanznot ab ·Nettoverzinsung sinkt dramatisch

Von Herbert Fromme, Düsseldorf

D ie öffentlich-rechtlichen Versicherer wehren sich gegen Überlegungen im privaten Assekuranzlager, nach denen die Sparkassen im Notfall auch ihre Versicherungskonzerne verkaufen müssten. „Ich kenne die Diskussion. Aber ich kann mir das im Moment nicht vorstellen“, sagte Friedrich Schubring-Giese, Chef der Versicherungskammer Bayern (VKB) und Vorsitzender des Verbandes der öffentlichen Versicherer.

Private Versicherer fordern, dass die Sparkassen auch einen Verkauf ihrer Versicherer in Betracht ziehen müssen, sofern die Finanzprobleme wegen der Landesbanken überhandnehmen. Sie verweisen auf die Gewerkschaften, die 1988 wegen des Neue-Heimat-Skandals aus Finanznot ihren Versicherer Volksfürsorge abgeben mussten.

Rechtliche Hindernisse gegen einen Verkauf gebe es bei den meisten öffentlichen Versicherern zwar nicht, sagte Schubring-Giese. „Aber heute werden ja nicht Versicherungsbestände verkauft, sondern Vertriebswege.“ Dann müsste ein Sparkassenverband bereit sein, den Vertrieb zum Teil in fremde Hände zu geben. Das wäre eine schwierige strategische Entscheidung.

Die öffentlichen Versicherer, die auf regionaler Basis arbeiten, haben zusammen mit 16,6 Mrd. Euro Prämie einen Marktanteil von 10,4 Prozent. Zu ihnen gehören die Provinzial-Gesellschaften, die Sparkassen-Versicherer, die Versicherungsgruppe Hannover und als Platzhirsch die VKB. Vereint sind sie im Endkundengeschäft die Nummer zwei in Deutschland, nach der Allianz mit 16,24 Prozent, aber weit vor Ergo mit 8,5 Prozent sowie Generali mit 7,45 Prozent.

Die Öffentlichen, die allein in der Lebensversicherung 78 Mrd. Euro an Kapitalanlagen halten, wurden von der Finanzkrise erheblich gebeutelt. Die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen sank dramatisch von 4,7 Prozent auf 2,8 Prozent. Die Gesellschaften mussten 1,5 Mrd. Euro auf Kapitalanlagen abschreiben.

Weitere Abschreibungen in Höhe von 1,4 Mrd. Euro wurden unter den Sonderregeln für Versicherungsbilanzen nach Paragraf 341b im Handelsgesetzbuch (HGB) aufgeschoben. Schubring-Giese sagte, davon entfalle viel auf festverzinsliche Papiere hoher Qualität. Diese würden die Gesellschaften einfach bis zur Endfälligkeit halten, um die Verluste aufzuholen. Er wies den Vorwurf zurück, die Öffentlichen hätten besonders aggressiv investiert. Die viel kritisierten Anlagen in Asset-Backed Securities machten nur 1,2 Prozent am Bestand aus. Auch bei Nachranganleihen der Landesbanken seien die Gesellschaften nicht stärker im Risiko als andere Versicherer auch, sagte Schubring-Giese weiter.

Im Absatz profitiert die Gruppe von der engen Bindung an die Sparkassen. Die Beiträge im Neugeschäft stiegen im ersten Quartal des laufenden Jahres um 81 Prozent. „Das waren sehr viele Rentenversicherungen gegen Einmalbeitrag“, sagte Schubring-Giese. Offenbar suchen durch die Krise verunsicherte Verbraucher für frei werdende Gelder bei ihren Sparkassen nach neuen Anlagemöglichkeiten und schließen viele private Rentenversicherungen ab.

Andererseits stellen die Gesellschaften mehr Kündigungen gerade bei kleineren Policen fest. „Da schlachten Leute ihre Riester-Verträge und stecken das Geld in die Abwrackprämie“, sagte Schubring-Giese. Die Versicherer versuchten, die Kunden davon abzubringen. In den Callcentern sei die Gesprächsdauer von zwei Minuten auf mehr als zehn Minuten gestiegen.

Der Konsolidierungsprozess unter den Öffentlichen ist zurzeit ins Stocken geraten. Das werde so lange so bleiben, wie die Sparkassen mit Problemen wie den Landesbanken beschäftigt seien, sagte Schubring-Giese. „Ich glaube aber fest daran, dass die Weiterentwicklung der multiregionalen Gruppen fortschreiten wird.“ Seine VKB hat sich in den vergangenen Jahren durch Fusionen bereits ins Saarland, nach Berlin und Brandenburg ausgedehnt. Andere Großfusionen sorgten dafür, dass heute fünf Gesellschaften das öffentliche Lager beherrschen. Sie sitzen in München, Münster, Stuttgart, Düsseldorf und Hannover.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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