Autofahrer können sich weiter billig versichern

Hannover Rück erwartet keine Preissteigerungen für 2010

Von Herbert Fromme, Monte Carlo

Deutsche Autofahrer werden 2010 kaum mehr für ihre Kraftfahrzeugversicherung zahlen müssen als bisher. „Die Preise werden sich auf dem heutigen Niveau stabilisieren“, sagte Michael Pickel, Vorstand der Hannover Rück, gestern in Monte Carlo. Hoffnungen der Versicherer, dass die Preise nach jahrelangem Sinkflug auf breiter Front steigen, erteilte Pickel damit eine klare Absage.

Für ihren Rückversicherungsschutz müssen die Erstversicherer – die direkt Policen an Autofahrer verkaufen – aber in Teilbereichen mehr zahlen, sagte Pickel. Damit sichern sie sich etwa gegen Millionenschäden durch einen lokalen Hagelschlag ab, der Tausende von Fahrzeugen stark beschädigt.

Seit Jahren versucht vor allem Marktführer Allianz, den Preisverfall zu stoppen und die Prämien zu erhöhen. Das klappt wegen des harten Wettbewerbs nicht. Angreifer wie der Marktzweite HUK-Coburg unterbieten regelmäßig deutlich die Allianz, die Marktanteile verliert. Hannover Rück ist Rückversicherer vieler dieser Angreifer.

Ein weiteres Absinken der Tarife werde es indes kaum geben, sagte Pickel. „Dagegen spricht auch, dass einige Versicherer ihre Preise für Flottengeschäft bei Firmen deutlich erhöhen.“ Es werde allerdings eine Zeit dauern, bis diese eher einfach durchzusetzende Sanierung bis zum Privatkundengeschäft durchgedrungen sei.

Die Vorsicht der Nummer vier im Weltmarkt bei den Äußerungen zur Preisentwicklung steht in deutlichem Gegensatz zum Optimismus, den das Unternehmen und die großen Wettbewerber Munich Re und Swiss Re noch vor wenigen Monaten zeigten. Während damals noch von substanziellen Erhöhungen die Rede war, ist die Branche heute froh, wenn die Preise nicht sinken.

Äußerst unzufrieden zeigte sich Hannover-Rück-Chef Ulrich Wallin über den US-Markt für Haftpflichtdeckungen. Hier lägen die Preise insgesamt deutlich unter dem auskömmlichen Niveau. Nur in Spezialsparten, vor allem der Managerhaftpflicht, habe es die nötigen Anpassungen gegeben. In der Luftfahrtversicherung dürften die Preise um 15 Prozent bis 25 Prozent steigen, sagte Wallin.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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