Container in der Auenlandschaft

Der Godorfer Hafen in Köln soll wachsen – die Anwohner protestierenhartnäckig

Von Anne-Christin Gröger

Alle Pläne liegen fertig in der Schublade. Die Ausschreibungen haben begonnen, und die ersten Bagger rollten im März über das Gelände des Godorfer Hafens. Grund für die Betriebsamkeit: Der südliche Rheinhafen Kölns soll größer werden. Zum Neubau gehören ein Hafenbecken sowie das Containerterminal.

Dafür will die Stadt Köln 60 Mio. Euro ausgeben. Bisher werden in Godorf vor allem Schüttgüter wie Kies oder Salz sowie Flüssiggüter umgeladen. Die Gesellschaft Hafen und Güterverkehr betreibt die vier Kölner Häfen und ist Initiator der Baupläne. „In einem größeren Hafen könnten wir auch Container umschlagen“, erklärt Rolf Küppers, Sprecher der Gesellschaft. In Godorf, der größten der Kölner Anlegestellen, werden jährlich etwa sieben Millionen Tonnen abgewickelt. Mit dem Ausbau könnte der Hafen auch näher an den Konkurrenten in Duisburg heranrücken, den umschlagstärksten Binnenhafen Deutschlands.

Doch das Projekt hat Gegner. Seit mehr als 20 Jahren kämpfen Bürgerinitiativen in der „Aktionsgemeinschaft Contra Hafenausbau“ gegen eine Ausdehnung des Industriegebiets und die Zerstörung des Umweltschutzgebiets Sürther Aue. Sie argumentieren, dass die Umschlagkapazitäten des weiter nördlich gelegenen Niehler Hafens ausreichen, um die Güter abzufertigen.

Dabei beruft sich die Bürgerinitiative auf ein Gutachten der Essener Beratungsfirma Planco Consult. „Der Ausbau im Süden ist reine Geldverschwendung“, sagt Dieter Maretzky, Vorsitzender des Bürgervereins Rodenkirchen. „In Niehl ist noch genug Platz.“ Küppers von der HGK ist anderer Meinung. „Derzeit müssen wir in Niehl Schiffe abweisen, weil wir nicht genügend Platz haben“, sagt er. „Ein größerer Hafen in Godorf mit einer Abfertigungsstelle für Containerschiffe entlastet den Norden.“

Der Godorfer Hafen ist etwa 19 Hektar groß und besteht aus drei Becken. Bis 2012 sollen mit dem neuen Becken und vier weiteren Schiffsliegeplätzen 20 Hektar dazukommen. Die Projektbefürworter versprechen sich einen Gewinn für die Wirtschaft Kölns – trotz der Krise, die die Containerschifffahrt hart getroffen hat. „Der Handel mit China und Osteuropa wird nach der Krise genauso florieren wie zuvor – darauf müssen wir uns vorbereiten“, sagt Küppers. Im Hafen selbst sollen 100 neue Arbeitsplätze entstehen. Weitere sollen durch die Ansiedelung neuer Unternehmen dazukommen. Godorf liegt günstig, denn mit dem Rhein ist der Hafen direkt an die wichtigen Seehäfen Rotterdam, Antwerpen und Amsterdam angebunden. „Köln bündelt mit den Häfen, dem Flughafen, dem Autobahnring und dem Umschlagbahnhof Eifeltor als einzige Stadt in der Umgebung alle Verkehrsträger“, erklärt Ulrich Soénius, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Köln für Standortpolitik, Verkehr und Unternehmensförderung. „Das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern sollten.“

Auf dem Areal siedeln Chemieunternehmen wie Evonik oder Basell. Zahlreiche Logistikfirmen haben in der Umgebung ihren Sitz. Sie könnten von einem größeren Hafen mit Containerumschlagplatz profitieren. Bisher müssen Container aus dem Norden per Lkw durch die Stadt gefahren werden. Mit dem neuen Hafen fiele der Umweg weg.

Um den Bau noch zu stoppen, lassen sich die Aktivisten der Kölner Bürgerinitiativen einiges einfallen. Vor wenigen Wochen haben sie mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht Köln eine vorläufige Unterbrechung der Arbeiten erreicht – wegen formaler Fehler im Genehmigungsverfahren. Die HGK hat Berufung eingelegt. Trotz des Teilerfolgs haben Maretzky und seine Mitstreiter den Kampf schon halb verloren.

Die ersten Bagger rodeten im Frühjahr große Teile der Sürther Aue. Noch will Maretzky nicht aufgeben. „Aber irgendwann sind auch unsere Möglichkeiten erschöpft“, sagt er.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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