Pensionsverpflichtungen werden sichtbarer

Mittelstand muss Bilanzen transparenter gestalten

Von Anja Krüger, Frankfurt

Mittelständische Firmen müssen nach Ansicht der Allianz in ihren Bilanzen künftig erheblich höhere Pensionsverpflichtungen ausweisen. „Die Pensionsverpflichtungen werden im Schnitt um 50 Prozent steigen“, sagte Tobias Pross, Geschäftsführer der Allianz Pension Partners. Sie gehört zu Allianz Global Investors und berät Firmen beim Umgang mit deren Pensionsverpflichtungen. Das Szenario sei Folge des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG), das ab 2010 für Firmen gilt, die nach Handelsgesetzbuch (HGB) bilanzieren.

Der Gesetzgeber will mit dem BilMoG erreichen, dass Unternehmen ein realistischeres Bild ihrer tatsächlichen Verpflichtungen zeichnen. Die Neuerung bedeutet nicht, dass Firmen eine höhere Betriebsrente zahlen. Wie hoch die Belastungen eines Unternehmens durch die Altersversorgung tatsächlich sind, hängt von vielen Faktoren ab – etwa der Art der Zusage, der angenommenen Verzinsung der Ansprüche oder der berechneten Lebenserwartung der späteren Betriebsrentner. Deshalb ist es schwierig, die tatsächlichen Kosten zu erfassen.

Konzerne, die nach dem internationalen Standard IFRS bilanzieren, müssen ihre Betriebsrentenverpflichtungen sehr genau darstellen. Das kommt jetzt auf Mittelständler zu. Die neuen Regeln unterscheiden sich vor allem in zwei Punkten: der Verzinsung und der Rentenanpassung. Nach HGB konnten Firmen von einer Verzinsung der Rückstellungen für Betriebsrenten von sechs Prozent ausgehen. Künftig wird der durch die Bundesbank ermittelte durchschnittliche Marktzinssatz zu Grunde gelegt. „Wir rechnen mit 5,1 bis 5,2 Prozent“, sagte Pross. Außerdem müssen Firmen Veränderungen wie Rentenanpassungen einkalkulieren.

Die betriebliche Altersversorgung gilt als großer Wachstumsmarkt. Die Finanzbranche spekuliert darauf, dass die sichtbar höheren Verpflichtungen die Firmenvorstände dazu treiben, ihre Dienste stärker in Anspruch zu nehmen. „Pensionsverpflichtungen sind für Unternehmen das größte Risiko außerhalb des Kerngeschäfts“, sagte Thomas Wiesemann, Chef von Allianz Global Investors. Das Unternehmen verwaltet für institutionelle Anleger in Deutschland rund 240 Mrd. Euro, rund 30 Mrd. Euro stehen in einem Pensionsbezug. „Dieser Bereich wächst stark“, sagte Michael Korn von der Allianz Global Investors Kapitalanlagegesellschaft. „Wir rechnen damit, bis zu 1 Mrd. Euro im Jahr weiter zu wachsen.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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