Allianz kämpft im Kerngeschäft

Konzern baut Quartalsgewinn ohne Dresdner Bank aus · Weniger Gewinn mit Autosund Gebäuden

Von Herbert Fromme, Köln

Europas größter Versicherer Allianz hat nach dem Verkauf der Dresdner Bank eine neue Baustelle. Im Kerngeschäft Schaden- und Unfallversicherung, in der der Konzern Autos, Gebäude, Fabriken oder Unfall- und Haftpflichtrisiken abdeckt, läuft es nicht rund. Hier ging der Gewinn in den ersten drei Quartalen von 3,7 Mrd. Euro auf 1,9 Mrd. Euro zurück, der Umsatz fiel von 34,4 Mrd. Euro auf 33,6 Mrd. Euro, teilte die Allianz gestern mit.

Dennoch war die Aktie gestern gesucht. Das Papier stieg um 4,3 Prozent auf 82,70 Euro. Zuvor hatte der Konzern bekannt gegeben, dass er im dritten Quartal 1,3 Mrd. Euro nach Steuern verdient hat. Im Vorjahresquartal musste er einen Verlust von 2 Mrd. Euro verdauen, was vor allem der inzwischen verkauften Dresdner Bank geschuldet war. Wie die Konkurrenz auch leidet die Allianz unter der Kombination aus heftigem Preiskampf und Niedrigzinsen.

Eine Vorhersage für das Jahresergebnis 2009 wollte Finanzchef Oliver Bäte nicht wagen. In normalen Zeiten könne die Allianz 8 Mrd. Euro Jahresgewinn erreichen. „Die Zeiten sind aber nicht normal.“ Das zeigt auch ein genauer Blick auf die Zahlen. Vergleicht man das fortgeführte Geschäft ohne Dresdner Bank, erzielte die Allianz im dritten Quartal einen Gewinnsprung um 143 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro. Doch die Betrachtung über die ersten neun Monate enthüllt, dass der Konzern im fortgeführten Geschäft einen Gewinnrückgang von 4,1 auf 3,6 Mrd. Euro hinnehmen musste.

Vor allem im wichtigsten Markt Deutschland hat die Allianz zu kämpfen. Inzwischen gibt sie im Heimatmarkt glatte 100 Prozent der Prämieneinnahmen für Schäden, Vertriebs- und Verwaltungskosten aus – vor einem Jahr waren es nur 90 Prozent. Zwei Hagelstürme hätten 70 Mio. Euro Rechnung gekostet. „Das sind vier Prozentpunkte“, erläuterte Bäte. Weitere knapp zwei Punkte Verschlechterung stammten aus dem Schadenservice, „der nicht rund läuft“. Die Allianz baute gerade ihre Organisation um, offenbar gibt es Reibungsverluste. Auch Kostensteigerungen im Vertrieb schlagen negativ zu Buche.

Gleichzeitig leiden die Kapitalerträge, die schlechte Zahlen in der Schaden- und Unfallversicherung ausgleichen, unter den niedrigen Zinsen.

Besser lief es in der Lebens- und Krankenversicherung. Hier stieg der Umsatz zwischen Januar und September um zehn Prozent auf 35,6 Mrd. Euro. Den Gewinn konnte der Konzern um saftige 82 Prozent auf 1,6 Mrd. Euro steigern.

Anders als der Rivale Axa will die Allianz aktuell eher konsolidieren als zukaufen. „Wir haben keine aktuelle Akquisition und auch keine Kapitalerhöhung geplant“, sagte Bäte.

Axa expandiert 16

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Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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