Allianz Leben senkt Zins auf Lebensversicherungen

Marktführer leitet Trendwende in der Branche ein

Von Herbert Fromme, Köln

Die Allianz Lebensversicherung in Stuttgart hat zum ersten Mal seit Ende 2003 die Überschussbeteiligung in der Lebensversicherung abgesenkt. „Wir reagieren auf den Rückgang der Marktzinsen“, sagte ein Sprecher.

Statt der von 2004 bis 2009 geltenden 4,5 Prozent Gutschrift auf den Sparanteil der Prämien schreibt der Marktführer seinen Kunden für 2010 4,3 Prozent gut. Konkurrent Aachen-Münchener, der zur Generali gehört, hat dagegen die Verzinsung unverändert bei 4,2 Prozent gelassen. Andere Unternehmen warten noch. Der Sparanteil macht bei den meisten Lebensversicherern rund 80 bis 85 Prozent der Prämie aus, der Rest geht für Risikoschutz und Kosten drauf.

Allianz Leben ist mit einem Marktanteil von 17 Prozent der Beitragseinnahmen und 25 Prozent des Neugeschäfts der größte deutsche Lebensversicherer. Mit wenigen Ausnahmen wartet die Branche deshalb auf die Verlautbarung aus Stuttgart, bevor die Vorstände selbst – wie gesetzlich gefordert – die entsprechenden Deklarationen für das Folgejahr beschließen. Der Zinssatz ist die wohl wichtigste Waffe im Wettbewerb. Bei der Ende 2008 erfolgten Deklaration für 2009 versuchten die Versicherer noch, die Krisenfolgen für ihre Branche kleinzureden und durch unveränderte Überschüsse die Stabilität der Branche zu betonen. Im Durchschnitt wies die Branche für 2009 4,26 Prozent zu.

Für 2010 könnten viele Lebensversicherer einschließlich der Allianz die höhere Gutschrift beibehalten – das Geld ist lange verdient. Dass der Marktführer das nicht tut, zeigt, wie ernst das Unternehmen die niedrigen Zinsen nimmt. Zur laufenden Verzinsung kommt bei der Allianz ein Schlussüberschuss von 0,35 Prozent sowie 0,5 Prozent an stillen Reserven, allerdings nur dann, wenn der Kunde den Vertrag durchhält.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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