Die Tigerversicherung

Im Gefolge des Skandals um den streunenden Tiger Woods bietet ein New YorkerMakler nun eine neue Deckung für Firmen an – gegen Reputationsschäden

Herbert Fromme

An jedem amerikanischen Flughafen sind sie nicht zu übersehen: Großplakate mit riesigen Ausmaßen, auf denen die Unternehmensberatung Accenture mit dem Golfhelden Tiger Woods wirbt. Die gesamte Imagekampagne des Unternehmens beruht seit Jahren allein auf der Zusammenarbeit mit dem bestbezahlten Sportler der Welt – und liegt jetzt in Trümmern.

Denn ein 2006 eingeführter Werbeslogan mit dem Titel „We know what it takes to be a Tiger“ hat inzwischen eine neue Bedeutung bekommen. Nicht nur Accenture, die ganze Welt weiß jetzt, was es braucht, um ein Tiger zu sein. Nach Woods‘ Eingeständnis zahlreicher außerehelicher Eskapaden, den handgreiflichen Auseinandersetzungen mit seiner Gattin und dem temporären Rückzug vom Golfsport taugt er zumindest aktuell nicht mehr als Werbepartner. Accenture braucht eine neue Kampagne. Die Kosten gehen schnell in zweistellige Millionenhöhe.

Nicht nur für Accenture. Auch US-Fernsehanstalten, die Golfturniere übertragen, kennen den Tiger-Effekt. Wenn ein Turnier ohne den Meister stattfindet, rauschen die Quoten in den Keller und damit auch die Werbeeinnahmen. Auch Nike und andere Sponsoren haben hohe Ausfälle.

Doch dagegen können sich Unternehmen künftig versichern. Der kleine New Yorker Versicherungsmakler Dewitt Stern mit 100 Angestellten bringt eine Spezialpolice auf den Markt, mit denen Firmen sich gegen Einschläge beim Image absichern können. Das Risiko wird von Lloyd’s-Syndikaten in London und Rückversicherern getragen. „Die Prämie hängt vom Umsatz des betroffenen Unternehmens, der Branche und dem Selbstbehalt ab“, sagte Dewitt-Stern-Manager LeConte Moore. Los geht es mit Policen für 25 000 $. „Damit decken Sie eine Firma mit zwei Restaurants in New York ab.“

Eigentlich sollte das Angebot erst in zwei Monaten auf den Markt kommen. Doch jetzt nutzt der Makler die Affäre um Tiger Woods für einen frühzeitigen Start ab Januar – zunächst allerdings nur in den USA. „Wir zahlen Anwaltskosten, Umrüstung von Anzeigenkampagnen, PR-Aktionen und weitere Kosten“, sagte Moore der FTD.

Ganz neu ist ein solches Angebot nicht. Seit Jahren bieten Londoner Versicherer wie Hiscox „DDD“-Policen an. Das steht für Death, Disgrace and Disability – also Tod, Entehrung und Behinderung. Auftraggeber können sich dagegen versichern, dass ihre Werbepartner aus Showbusiness oder Sport aus einem dieser drei Gründe nicht mehr als Imageförderer infrage kommen.

Abgedeckt sind unter anderem die Kosten von PR- und Anzeigenkampagnen und die Stornierung von Werbezeiten im Fernsehen. Die Munich Re und andere geben dafür Rückdeckung.

LeConte Moore glaubt, dass seine Police in den USA ein großer Hit wird. „Dafür sorgen die neuen sozialen Netze wie Twitter und Facebook“, sagt er. „Mit Twitter kann ein Ruf binnen 24 Stunden nachhaltig zerstört werden.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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