Lebensversicherer knausern mit Zins

Die Großen der Branche halten Überschussbeteiligung stabil · Kleinere nutzen Anlagegewinne zur Aufholjagd · Hoffnung für 2008

VON Anja Krüger, Köln Trotz eines guten Kapitalmarktumfelds gibt es bei den deutschen Lebensversicherern keinen eindeutigen Trend zu höheren Überschussbeteiligungen. „Es zeichnet sich eine Seitwärtsbewegung des Markts ab“, sagte Reiner Will, Geschäftsführer der Ratingagentur Assekurata. Für das Jahr 2008 wachsen nach seiner Auffassung aber die Chancen auf eine Steigerung der Gewinnbeteiligung.

Bei klassischen Lebens- und Rentenversicherungen erhalten Kunden auf den Sparanteil ihres Beitrags und bereits angesammelte Zinsen eine garantierte Mindestverzinsung und in den meisten Fälle eine Gewinnbeteiligung. Beides zusammen ergibt die Überschussbeteiligung. Die Garantieverzinsung liegt je nach Jahr des Abschlusses zwischen 2,75 Prozent und vier Prozent, ab 2007 wird sie nur noch 2,25 Prozent betragen. Darüber hinaus schreiben die Anbieter den Kunden eine Gewinnbeteiligung gut, die am Ende eines Jahres für das folgende festgelegt wird.

Nach der Kapitalmarktkrise hatten die Versicherer die durchschnittliche Überschussbeteiligung Jahr für Jahr zurückgeschraubt. 1998 lag sie im Schnitt bei noch bei 7,28 Prozent, 2006 waren es nur noch 4,2 Prozent. Für die Vertriebe ist eine gute Überschussbeteiligung ein wichtiges Verkaufsargument. Versicherer mit unterdurchschnittlicher Gewinnbeteiligung wie die Münchener-Rück-Tochter Victoria büßen mit Marktanteilsverlusten.

Bei der Festlegung der Überschussbeteiligung orientieren sich viele Anbieter am Marktführer Allianz Leben. Die Stuttgarter Gesellschaft wird als Gewinnanteil im kommenden Jahr unverändert 4,5 Prozent gutschreiben. „Das war für viele Versicherer ein Zeichen“, sagte Will. Assekurata veröffentlicht jedes Jahr eine Studie zur aktuellen Entwicklung der Überschussbeteiligung. Bei zahlreichen Versicherern wird diese stagnieren. Neben der Allianz gilt das auch für weitere große Unternehmen der Branche wie Aachen-Münchner, R+V oder die Hamburg-Mannheimer. „Die Versicherer versuchen, ein bisschen Speck anzusetzen“, sagte Will. Das trifft vor allem auf Versicherer zu, die eine marktdurchschnittliche und damit konkurrenzfähige Gewinnbeteiligung haben.

Gleichzeitig holen viele Gesellschaften mit unterdurchschnittlicher Verzinsung auf. Unter den Unternehmen, die noch unterdurchschnittliche Überschussbeteiligungen aufweisen, sind auch große Lebensversicherer wie Axa oder Victoria. Den Wettbewerbsnachteil haben sie bereits zu spüren bekommen.

„Die Versicherer, die sehr unter der Kapitalmarktkrise gelitten haben, gehen in Richtung Mitte“, sagte Will. Das lasse die derzeitige Kapitalmarktsituation zu. Victoria etwa erhöht von 3,4 Prozent auf weiterhin unterdurchschnittliche 3,6 Prozent, Axa von 3,5 auf 4,0 Prozent, die AMB-Generali-Tochter Volksfürsorge von 4 auf 4,25 Prozent und der Deutsche Ring von 4,1 auf 4,5 Prozent. Auch Swiss Life, Öffentliche Leben Braunschweig, Hanse Merkur, Gothaer, CIV und Arag erhöhen. Nach derzeitigem Stand wird die durchschnittliche Verzinsung in der Branche geringfügig von 4,24 auf 4,27 Prozent steigen, so Will. „Es gibt aber auch einzelne Gesellschaften, die absenken.“

Dabei handele es sich zum Beispiel um den Versicherer Delta Lloyd, eine Tochter der britischen Aviva, der die Überschussbeteiligung immerhin um 0,5 Prozent zurückfährt. Zu Delta Lloyd gehören die Hamburger Lebensversicherung und die im Sommer in Delta Lloyd Leben umbenannte ehemalige Berlinische Leben. Für Kunden der Hamburger Leben bleibt die Überschussbeteiligung stabil bei 4,0 Prozent, sagte eine Sprecherin. Delta Lloyd Leben müsse aufgrund der langen Niedrigzinsphase die Überschussbeteiligung von 4,0 auf 3,5 Prozent senken, zuvor habe man allerdings die Gesamtverzinsung vier Jahre lang stabil gehalten.

Der Direktversicherer Asstel senkt die Gewinnbeteiligung um 0,3 Prozentpunkte auf 4,8 Prozent, die Dortmunder Signal Iduna von 4,5 auf 4,3 Prozent. Bei der Ideal Versicherung geht die Überschussbeteiligung sogar von 5,1 auf 4,5 Prozent zurück.

Den Platz des Spitzenreiters bei der Gesamtverzinsung wird auch im kommenden Jahr die Europa Versicherung mit 5,4 Prozent belegen, gefolgt von der Debeka mit 5,1 Prozent. Beide Unternehmen haben ihre Überschussbeteiligung stabil gehalten.

Bild(er):

Die großen Lebensversicherer lassen ihre Kunden an das an den Kapitalmärkten verdiente Geld nicht heran. Sie nehmen es lieber in ihre Reserven – Corbis/Wolfram Scholl

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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