Mit dem sicheren Austausch von Kundendaten und der Möglichkeit zu intelligenten Analysen und innovativen Angeboten wird Open Finance den Versicherungsmarkt verändern. Noch bevor die FiDA-Verordnung in Kraft tritt, können sich Versicherer als Vorreiter der Branche positionieren, schreibt Thomas Gmelch von der Open-Banking-Plattform Tink, einer Tochter der Visa-Gruppe.
The Long View
Altersvorsorge-Reform: Der Kapitalmarkt ist in den Köpfen angekommen
Mit der Reform der privaten Altersvorsorge wird der Kapitalmarkt erstmals ausdrücklich als Teil der Lösung anerkannt. Nach den Beschlüssen zum Altersvorsorgedepot kommt es nun darauf an, wer schnell einfache, kostengünstige und massentaugliche Angebote entwickeln kann, schreibt Martin Stenger vom Vermögensverwalter Franklin Templeton.
Die Problematik der unbetreuten Bestände
Im deutschen Versicherungsmarkt gibt es immer mehr unbetreute Vertragsbestände. Kurzfristig entgeht der Branche dadurch Ertragspotenzial, langfristig droht der schleichende Verlust des Kundenkontakts. Eine Lösung können Tele-Sales und Bestandsaktivierung bieten, schreibt Justus Lücke, Geschäftsführer der Versicherungsforen Leipzig und der Maklerforen Leipzig.
Digitale Reife: Branche zwischen Fortschritt und Nachholbedarf
Die Versicherungsbranche ist digitaler geworden, doch echte datengetriebene Wertschöpfung gelingt bislang nur einem kleinen Teil der Unternehmen. Es kommt darauf an, digitale Interaktionen in dauerhafte Kundenbeziehungen umzusetzen, schreiben Andreas Tzinis, Managing Consultant, und Joachim Stalph, Managing Partner bei der Beratungsgesellschaft Elaboratum.
Digitale Barrierefreiheit: Ein strategischer Hebel für Versicherer
Digitale Barrierefreiheit wird für Versicherer zunehmend zum strategischen Faktor: Sie entscheidet mit über Abbruch- und Beschwerdequoten, Kundenwahrnehmung und damit über den Erfolg des Unternehmens, schreiben die Bearing Point-Experten Tim Thorsten Mack und Tessen Fritzsche. Das Zeitfenster dafür ist günstig.
Alles im grünen Bereich?
Die europäische Green Claims Directive zur Verhinderung von Greenwashing wurde auf Eis gelegt, an ihre Stelle tritt jetzt die EmpCo-Direktive. Was ihre für den 27. September 2026 vorgesehene Umsetzung in deutsches Recht für Versicherer bedeutet, beleuchtet Carsten Zielke, Geschäftsführer von Zielke Research Consult.
Wald im Depot: Wie Versicherer reale Resilienz ins Portfolio holen
Versicherer stehen vor einem Spagat: Sie müssen Kapital langfristig, rentabel und mit möglichst wenig Risiko anlegen, gleichzeitig steigen die Erwartungen an Klimawirkung, Transparenz und Realwirtschaftsbezug. Hier kann Forstwirtschaft als Portfoliobaustein auf den Plan treten, der die Kriterien verbindet – betriebswirtschaftliche Logik, Langfristigkeit und einen Beitrag zu Dekarbonisierung und Biodiversität, schreibt Jasper Renk, Senior Investment Manager Illiquid Assets Natural Capital bei Meag, dem Vermögensverwalter der Munich Re.
Was Europas Versicherer vom chinesischen Markt lernen können
Chinas Versicherungssektor hat sich vom Verkäufermarkt zum datengetriebenen Ökosystem entwickelt – mit Plattformlogik, industrieller KI, Open-Source-Sprachmodellen und kompromissloser Kundenzentrierung, schreibt Patrick Dahmen, Managing Partner der auf die Versicherungsbranche spezialisierten Beratungsgesellschaft Valytics. Europas Versicherer müssen daraus Konsequenzen ziehen: weg von Piloten, hin zu Produktivitätssprüngen, eingebetteten Angeboten und belastbarer Daten-Governance.
KI-Risiken neu bewerten: Was das künftige Produkthaftungsgesetz für Versicherer bedeutet
Die neue Produkthaftungsrichtlinie und ihre künftige Umsetzung in einem überarbeiteten deutschen Produkthaftungsgesetz werden die Anforderungen für den rechtssicheren Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) in der Versicherungsbranche grundlegend verschärfen. Zudem gilt es, die neuen Anforderungen der KI-Verordnung umzusetzen. Für Versicherer kommt es jetzt darauf an, sich wertvollen Compliance-Vorsprung zu sichern und ihre Position im Wettbewerb um seriöse und vertrauenswürdige KI-Produkte zu stärken, schreiben Benedikt Kohn und Christian Zander von der Kanzlei Taylor Wessing.
Commercial Courts in Deutschland: Neue Wege für Haftpflichtversicherer
Im vergangenen Jahr hat Deutschland an ausgewählten Gerichten sogenannte Commercial Courts eingeführt. Sie sollen komplexe wirtschaftsrechtliche Streitigkeiten effizient und kompetent verhandeln. Ihre Nutzung ist freiwillig, der Streitwert muss mindestens 500.000 Euro betragen. Versicherer müssen hier abwägen. Es gibt große Chancen, etwa durch die Internationalität und höhere Vertraulichkeit, aber auch Risiken, schreibt Sven Holzhauer, Teamleiter für den Bereich Architekten- und Ingenieurshaftpflicht bei Pro Global.
Autonomes Fahren: Risikomanagement neu denken
Mit der fortschreitenden Entwicklung von Fahrassistenzsystemen bis hin zum autonomen Fahren verändert sich das Risikoprofil für Kfz-Versicherer grundlegend. Die Branche steht vor der Aufgabe, Haftungsfragen neu zu bewerten, den Zugang zu Fahrzeugdaten zu sichern und das Schadenmanagement an die Komplexität autonomer Systeme anzupassen. Dafür sind eine skalierbare IT-Infrastruktur, innovative Strategien zur Risikobewertung sowie Expertenteams erforderlich, schreiben die Guidewire-Experten Stephan Fanenbruck und Michael Anderson.
Plattformwahl: Warum Schulung und Support entscheidend sind
Versicherungsmakler haben wegen der zunehmenden Regulierung, der steigenden Kundenerwartungen und des wachsenden Wettbewerbsdrucks immer weniger Zeit für ihr Kerngeschäft. Plattformen, die weit über klassische Maklerverwaltungsprogramme hinaus gehen, versprechen Entlastung. Ihre Auswahl ist allerdings eine wichtige strategische Weichenstellung, schreibt Adesso-Expertin Maja Anita Sach. Entscheidend sind Schulung und Support – und sich auf wenige Plattformen zu konzentrieren.
Vom Risiko zur Krise zur Blase? – Trends in der Versicherungsbranche 2026
Die Herausforderungen und Risiken für die Versicherungsbranche lassen auch im neuen Jahr nicht nach. Neben dem unsicheren geopolitischen Umfeld und der schwächelnden Konjunktur spielen Cyberrisiken und Vertrauensschäden eine Rolle, aber auch Veränderungen im Markt und im Wettbewerb sowie neuartige Faktoren wie künstliche Intelligenz (KI) und die Gefahr einer KI-Blase, erläutert Marcel Braun, CEO der Hendricks GmbH.
Eine gemeinsame Risikosprache für die Industrieversicherung
Die Digitalisierung der Industrieversicherung ist eine Marktherausforderung. Sie wird erfolgreich sein, wenn alle Akteure dieselbe Risikosprache sprechen: Maschinenlesbare, versionierte Datenmodelle mit klarer und neutraler Governance sind nötig, schreibt Dominik Gorsler vom Technologiedienstleister Corify. Generative künstliche Intelligenz beschleunigt die Erfassung und Normalisierung, ersetzt aber keine Standards – sie braucht sie.
Internationale Impulse für den deutschen Lebensversicherungsmarkt
Lebensversicherungen mit kapitalmarktorientierter Ausrichtung haben großes Potenzial – das zeigen Frankreich und Italien. Deutschland hinkt hier trotz vergleichbarer Bedürfnisse nach Renditeorientierung bei niedrigen Zinsen hinterher. Dabei könnte eine Kombination aus moderater Garantie, flexibler Fondskomponente, moderner Beratung, regulatorischer Transparenz und steuerlicher Gestaltung eine neue Generation lebensversicherungsbasierter Spar- und Anlageprodukte etablieren, schreibt Christian Eck von BNP Paribas.














