AIG kauft Flowers-Tochter Wüba

US-Versicherer entert deutschen Firmenkundenmarkt · Finanzinvestor nutzt Verlustvorträge

Von Anja Krüger, Köln Der US-Versicherer American International Group (AIG) kauft die Württembergische und Badische Versicherungs-Aktiengesellschaft (Wüba) von der US-Beteiligungsgesellschaft JC Flowers. Damit drängt AIG in Deutschland in den Markt für Gewerbe- und Firmenkunden.

AIG ist nach Börsenkapitalisierung der weltweit größte Versicherer. In Deutschland gehört er in der Industrieversicherung mit der Allianz, der Talanx-Tochter HDI-Gerling, der Axa und der Zürich zu den führenden Anbietern. Präsent ist AIG bislang vor allem im lukrativen Großkundensegment. Hier haben die Versicherer in den vergangenen Jahren kräftig verdient. Zurzeit fallen allerdings die Preise. Das Geschäft mit Gewerbe- und Firmenkunden mit einem Umsatz bis zu 100 Mio. Euro ist im Vergleich zum Großkundensegment preisstabiler und von weniger Großschäden betroffen.

Aus diesem Grund zieht dieses Feld immer mehr Anbieter an, darunter die australische QBE, die gerade erst auf dem deutschen Markt aktiv geworden ist.

„Die Transaktion unterstreicht AIGs Bestreben, im deutschen Markt weiterzuwachsen, und komplementiert unsere Produktpalette speziell für Gewerbe- und Firmenkunden“, erklärte AIG-Vorstandschef Martin Sullivan. Das Geschäft soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden als Voraussetzung dafür, dass Flowers steuerliche Vorteile in Form von Verlustvorträgen nutzen kann.

Die Höhe des Verkaufspreises wollte AIG nicht nennen. Der Kaufvertrag stehe unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden, teilte das US-Unternehmen weiter mit.

„Die Geschäftsfelder von Wüba und AIG ergänzen sich in hohem Maße“, sagte Reinhard Franke, Hauptbevollmächtigter der AIG in Deutschland. Die in Heilbronn ansässige Wüba ist auf Gewerbe- und Firmenkunden spezialisiert und verkauft vor allem Transport-, Sach- und Haftpflichtpolicen. Sie vertreibt die Verträge nur über Makler und verfügt über ein Netz von 2500 aktiven Vermittlern. Dieser Vertriebsweg wird in der Assekuranz immer wichtiger.

Bis Januar 2005 gehörte Wüba zur Finanzgruppe Wüstenrot & Württembergische (W&W). Flowers soll die Mehrheit von 98,5 Prozent damals für 55 Mio. Euro übernommen haben. Anschließend übernahm der Finanzinvestor die restlichen Aktien per Zwangsabfindung (Squeeze-out). Mitte 2006 hatte Flowers über die Wüba die Deutsche Versicherungs- und Rückversicherungs-Aktiengesellschaft (Darag) von der Axa erworben, die ebenfalls nur über Makler verkauft. Darag ist ein ehemaliger staatlicher Versicherer der DDR und wird zurzeit in die Wüba integriert.

2006 hatte die Wüba einschließlich der Darag Prämieneinnahmen von 225 Mio. Euro und einen Rekordgewinn von 30 Mio. Euro nach Steuern erwirtschaftet, nach 3 Mio. Euro im Jahr zuvor. Der Zuwachs ging auch auf Sondererlöse aus dem Anteilsverkauf an der Schiffsklassifikationsgesellschaft Germanischer Lloyd zurück, der netto 18 Mio. Euro brachte.

„AIG wird Wüba vorerst nicht integrieren“, hieß es in Versicherungskreisen. Das Unternehmen soll im Firmen- und Gewerbesegement stark expandieren. Flowers hatte auch mit anderen Industrieversicherern über den Verkauf der Wüba gesprochen, etwa der Bermuda-Gesellschaft Ace.

Zitat:

„Die Geschäftsfelder von Wüba und AIG ergänzen sich“ – Reinhard Franke, AIG –

Bild(er):

AIG-Chef Martin Sullivan behält für sich, wie viel Geld er für den jüngsten Zukauf auf den Tisch legte

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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