Regionalinstitute schlagen zurück

Sparkassen und Volksbanken drehen den Direktbankkunden den Geldhahn zu

Von Friederike Krieger

Direktbankkunden, die mit ihrer Visa-Karte Geld bei Sparkassen und Volksbanken abheben wollen, bietet sich vielerorts eine neue Situation. Der Automat spuckt kein Geld aus, sie müssen unverrichteter Dinge wieder abziehen. Rund 50 Sparkassen haben bereits seit September ihre Geldautomaten für die Kunden von ING-Diba, Volkswagenbank und anderen gesperrt, einige Genossenschaftsbanken haben jüngst nachgezogen. Die Direktbanken bringt das in eine missliche Lage. Aus Mangel an einem eigenen umfassenden Automatennetz haben sie Verträge mit Kreditkartenorganisationen geschlossen und geben deren Karten für den kostenlosen Bargeldbezug aus. Mit einstweiligen Verfügungen wehren sich die Direktbanken gegen die Aussperrung.

„Die hohe Klagebereitschaft zeigt, dass die Direktbanken ihre Kunden nicht aus eigener Kraft zufriedenstellen können“, sagt Michaela Roth vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband. Sie kann nachvollziehen, dass einige Sparkassen den Kunden der Konkurrenz den Geldhahn zudrehen. Die Direktbanken könnten nicht auf Dauer die Infrastruktur der Sparkassen nutzen. „Das dichte Automatennetz ist in erster Linie für die eigenen Kunden da. Es hebt die Sparkassen von ihren Wettbewerbern ab“, erklärt sie.

Das sind ganz neue Töne. „Die Regionalbanken haben lange Zeit einfach nur zugeschaut, wie die Direktbanken ihnen die Kunden abgeworben haben“, erklärt Bernd Nolte von der Unternehmensberatung 4P Consulting. Mit den günstigen Konditionen der Direktbanken konnten die Institute wegen der hohen Kosten des filialgestützten Bankbetriebs nicht mithalten. Es sei verständlich, dass Sparkassen und Genossenschaftsbanken nun zurückschlagen, sagt Nolte. Er erwartet, dass sich der Konkurrenzkampf in den nächsten Jahren noch verstärkt.

Ausgerechnet die Finanzkrise, die so viele Banken in Schwierigkeiten gebracht hat, spielt den Regionalbanken dabei in die Hände. „Viele Kunden sind verunsichert und fürchten um ihre Ersparnisse“, sagt Nolte. Kunden, die panisch ihre Onlinebank anmailen, erhalten oft keine Antwort. „Das ist die Chance für die Regionalbanken, Kunden zurückzugewinnen“, sagt er. Die Institute könnten mit ihrer Beratungskompetenz punkten. Die Anleger hätten erkannt, dass nicht nur günstige Preise zählen, sondern dass es wichtig ist, einen persönlichen Ansprechpartner zu haben. „Die Regionalbanken müssen jetzt die Chance nutzen, die sich ihnen eröffnet“, erklärt Nolte. Sie müssten das Gespräch mit dem Kunden suchen und Finanzkrisenberatung anbieten.

Darauf setzt auch die Volksbank Remscheid-Solingen. Mit einem Bilanzvolumen von 1,2 Mrd. Euro ist sie eine der größten Genossenschaftsbanken in Nordrhein-Westfalen. Die Mitarbeiter haben die Order, die Kunden zur Ruhe zu ermahnen und sachlich über den Stand der Dinge zu unterrichten. „Es ist besonders wichtig, auch die kleinen Sparer ernst zu nehmen und nicht erst ab Einlagen von 1 Mio.Euro aktiv zu werden“, erklärt der Vorstandsvorsitzende Frithjof Grande. Er gibt der lokalen Presse Interviews zur Finanzkrise und posiert auf Anzeigen, in denen er erklärt, dass die Genossenschaftsbanken über einen eigenen Einlagensicherungsfonds verfügen, von dem die Kunden notfalls ihr Geld zurückerhalten. Die Strategie scheint aufzugehen. „Wir haben merklich an Volumen und Kunden zugelegt“, sagt Grande. Zusätzliche Gelder in zweistelliger Millionenhöhe seien der Bank zugeflossen. Die Sparkasse Göttingen verfolgt ein ähnliches Konzept und verzeichnet Vermögensübertragungen von Wettbewerbern und deutliche Einlagenzuwächse.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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