Allianz lässt BaFin auflaufen

Lebenversicherer hält Überschussbeteiligung stabil · Finanzaufsicht rät zuSenkung

Von Anja Krüger, Köln

Die Allianz Leben kürzt die Beteiligung der Kunden an den stillen Reserven, gewährt trotz der Finanzkrise aber weiter 4,5 Prozent Gewinnbeteiligung und 0,6 Prozent Schlussüberschuss. Damit setzt der Marktführer ein Zeichen an die Branche, die Gewinnbeteiligung für Kunden stabil zu halten. Das ist insofern bemerkenswert, als die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Versicherungskreisen zufolge die Branche drängt, die Gewinnbeteiligung vorsichtig festzulegen oder gar zu kürzen – was das Amt bestreitet.

Die Versicherer leiden unter der Finanzkrise, weil sie Milliarden an Kundengeldern angelegt haben. Probleme bereiten ihnen auch die ungewisse Entwicklung der langfristigen Zinsen und der Ausfall von Wertpapieren. Die jährlich neu bestimmte Überschussbeteiligung ist ihr wichtigstes Wettbewerbsinstrument. Sie gibt an, wie hoch der Sparanteil des Kundengelds verzinst wird. Im Schnitt liegt die Verzinsung bei 4,3 Prozent. Sie wird den Kunden jährlich gutgeschrieben. Bei Vertragsende kommt der Schlussüberschuss hinzu. Bei der Beteiligung an den stillen Reserven bekommen die Kunden die Folgen der Finanzkrise zu spüren. Der Branchenprimus kürzt sie um bis zu 0,4 Prozentpunkte. Die Kunden erhalten im Schnitt künftig 0,1 Prozent.

Seit Mitte 2007 habe die Allianz Leben Aktien im Wert von mehr als 10 Mrd. Euro zu einem durchschnittlichen Dax-Niveau von 7000 Punkten verkauft. „Da ist kein Geld verloren gegangen“, sagte ein Sprecher. Das Geld sei zu guten Konditionen neu angelegt worden. „Wie es im nächsten Jahr ausschaut, kann man nicht sagen“, sagte er. Die Aktienquote der Allianz Leben liegt zurzeit bei rund zehn Prozent, vor einem Jahr waren es 19 Prozent.

Für die Branche ist die Gewinnbeteiligung der Allianz Leben ein wichtiges Signal, weil sich die Konkurrenten daran messen lassen müssen. „Die Lebensversicherer wollen Stärke zeigen“, sagte Reiner Will, Geschäftsführer der Kölner Ratingagentur Assekurata. Die Entscheidung, die Überschussbeteiligung nicht zu senken, stärke die Wettbewerbsposition der klassischen Lebensversicherung. „Ein gutes Verkaufsargument“, sagte Will.

Die Frage sei aber, wie hoch die stillen Lasten in der Branche seien. Sie entstehen, wenn der Marktwert von Kapitalanlagen unter deren Einkaufswert fällt.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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