D&O-Markt vor der Trendwende

Preisverfall wird bald gestoppt. Rückversicherer verknappen Kapazitäten

Von Anja Krüger

Trotz der Wirtschaftskrise und des erwarteten drastischen Anstiegs der Insolvenzen sind die Prämien für Managerhaftpflichtversicherungen in vielen Branchen sehr günstig. Das dürfte sich aber bald ändern. Unternehmen aus der Finanzbranche müssen bereits jetzt sehr viel mehr für die Policen zahlen.

Mit der sogenannten Directors‘ and Officers‘ Liability (D&O) sichern Unternehmen ihr Führungspersonal gegen Ansprüche ab, die sie selbst oder Außenstehende nach einem Fehler an die Manager stellen können. Nach Großschäden und der Kapitalmarktkrise ab 2001 stiegen die Preise. Doch seit Jahren werden die Prämien für die Kunden immer billiger und die Konditionen besser. „Verträge für Global Player sind zu guten Bedingungen und zu sehr günstigen Preisen zu bekommen“, sagt Alexander Mahnke vom Großmakler Aon Jauch & Hübener.

Die Anbieter sind naturgemäß von dieser Entwicklung nicht begeistert. „Für die Kunden ist die Preisentwicklung sehr erfreulich, für Versicherer desaströs“, sagt Hartmut Mai von der Allianz Global Corporate & Specialty, die für die Allianz das Industriegeschäft für Kunden mit einem Umsatz ab 500 Mio. Euro betreibt. Großkonzerne konnten in der vergangenen Erneuerungsrunde die Preise im Schnitt um fünf Prozent senken. Ausnahme: Für Unternehmen aus der Finanzbranche sind D&O-Policen im Schnitt um 40 Prozent teurer geworden, außerhalb Deutschlands sogar um bis zu 130 Prozent.

Die Preise für den Mittelstand sinken weiter. „Der Verdrängungswettbewerb unter den Versicherern ist in diesem Bereich groß“, sagt Mahnke. „Im Augenblick sind die Prämien für die Versicherer nicht auskömmlich“, ist er überzeugt. Früher kostete 1 Mio. Euro Deckungssumme im Schnitt 1000 Euro im Jahr. „Heute wird das zum größten Teil unterboten.“

Der Markt ist sehr umkämpft, bestätigen Anbieter. „Fast alle Versicherer tummeln sich im Mittelstand“, sagt Rainer Hoff, D&O Experte bei der Ergo-Versicherungsgruppe.

Für den Preisdruck im Markt machen einige Beobachter den angeschlagenen US-amerikanischen Versicherer AIG verantwortlich. Dessen europäischer Ableger leidet unter der Schieflage der Mutter, denn viele Manager fragen sich, ob die Gesellschaft stabil genug ist. Um die Abwanderung von Kunden zu verhindern, senkt der Versicherer die Prämien, kritisieren Konkurrenten. AIG bestreitet das. „Unsere disziplinierten Standards bei der Beurteilung von Risiken und der Preisfestsetzung sind unverändert geblieben“, sagt Sprecherin Susanne Pauer.

Für den Herbst erwartet Allianz-Mann Mai die Trendwende bei den Preisen. „Sie wird von den Rückversicherern getrieben“, sagt er. Die Münchener Rück hat bereits angekündigt, Kapazitäten in der D&O stark zurückzufahren.

Gerade in Krisenzeiten müssen die Versicherer mit vielen Schäden rechnen. „Bei einer Insolvenz wird der Insolvenzverwalter als erstes die D&O in Anspruch nehmen“, sagt Makler Mahnke. Zwar versuchen einige Versicherer, Schäden infolge von Pleiten auszuschließen. „Aber auch hier gibt es großen Wettbewerb“, sagt Mahnke. „Meine Erfahrung: Von drei Versicherern fällt einer um und verzichtet auf die Klausel.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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