Service für Sensibelchen

Rechtsschutzversicherer Roland bietet Managern Krisenintervention an.Katastrophenerprobte Psychologen helfen nach dem Rauswurf, bei Ermittlungen oderKlagen

Anja Krüger

Für Oskar Lafontaine und seine Freunde sind Manager hartgesottene Entscheider, die eiskalt die eigenen Pfründe sichern, sobald es eng wird. Der Rechtsschutzversicherer Roland dagegen glaubt zu wissen: Manager sind Sensibelchen, die bei einer Krise professionellen psychologischen Beistand brauchen. Passend zur Wirtschaftslage hat Roland einen neuen Service für Chefs auf den Markt gebracht: das „Krisen-Coaching“.

Wird ein Manager mit einer „Anstellungsvertrags-Rechtsschutz“- Police gefeuert, kann er die Notfallnummer von Roland wählen und anonym psychologischen Rat einholen. Ist es mit der Krisenintervention per Telefon nicht getan, bekommt er einen Termin mit persönlichem Gespräch. Reicht das immer noch nicht, kann sich der Gestresste für fünf Doppelstunden in die Obhut eines Therapeuten begeben. „Er bekommt eine Akutbetreuung durch einen Spezialisten vor Ort“, sagt eine Sprecherin.

Bei den angeheuerten Psychologen handelt es sich nicht um Feld-Wald-und-Wiesen-Therapeuten. Roland kooperiert mit Krisenspezialisten, die auch für das Auswärtige Amt tätig und mit dem Schlimmsten vertraut sind. Sie helfen Polizeispezialkräften, Opfern von Katastrophen und Bankmitarbeitern nach Überfällen.

Den Psycho-Service gibt es nicht nur für den Fall, dass Manager gefeuert werden. Auch wenn der Staatsanwalt ermittelt oder die Firma wegen verletzter Sorgfaltspflichten ans Privatvermögen will, können Führungskräfte mit entsprechender Police die Therapeuten in Anspruch nehmen.

Das gilt aber nur für ab jetzt geschlossene Verträge. Wer schon eine Police hat und den Beistand will, muss neu abschließen. Teurer wird es wohl nicht. „Je nach Modul und nach bisherigem Deckungsumfang kann es sogar im Einzelfall zur Prämienabsenkung kommen“, sagt die Sprecherin.

Die Preise für Manager-Rechtsschutz sind durch die Krise nicht gestiegen. Offenbar sind Führungskräfte nach wie vor begehrte Risiken für die Versicherer. „Es gibt einen gewissen Druck im Markt“, sagt die Sprecherin. „Wir haben die Preise nicht gesenkt, aber die Leistungen ausgeweitet.“

Die Rechtsschutzversicherer müssen sich etwas einfallen lassen, denn der Markt stagniert seit Jahren. Gleichzeitig führt der Abschwung zu einem Anstieg der Kosten, vor allem im Arbeitsrechtsschutz. „Seit Herbst vergangenen Jahres verzeichnen wir die kontinuierliche Zunahme arbeitsrechtlicher Auseinandersetzungen“, sagt Thomas Mock von der Industriedirektion von Roland. Noch liege die Steigerung der gemeldeten Konflikte im einstelligen Bereich. „Das verändert sich von Monat zu Monat nach oben“, sagt er.

Einer von Roland in Auftrag gegebenen Studie zufolge verzeichnen deutsche Firmen als Folge der Krise mehr als 160 000 zusätzliche Rechtsstreitigkeiten. Bei den meisten handelt es sich um Konflikte mit Kunden. Das können die Versicherer gelassen beobachten. Für solche Streitfälle bekommen Firmen hierzulande keinen Rechtsschutz.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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