Versicherer leben fast nur noch von ihrer Substanz

Gesellschaften finanzieren Zinsen auf Kosten der Reserven

Von Friederike Krieger, Köln

Die Kölner Ratingagentur Assekurata rechnet damit, dass den Lebensversicherungskunden das aktuelle Zinsniveau trotz der Magerzinsen am Kapitalmarkt erhalten bleibt. „Große oder schnelle Veränderungen in die eine oder andere Richtung sind kurzfristig nicht zu erwarten“, sagte Geschäftsführer Reiner Will. Assekurata analysiert jährlich, was die Lebensversicherer Kunden gutschreiben.

Bei einer klassischen Police erhalten sie eine fixe Mindestverzinsung und eine variable, jährlich vom Versicherer neu bestimmte Überschussbeteiligung. Wer heute einen Vertrag abschließt, erhält garantierte 2,25 Prozent auf den Sparanteil der Prämien.

Die Lebensversicherer stehen aufgrund der niedrigen Kapitalmarktzinsen stark unter Druck. „Die Versicherer müssen ihre Garantien erwirtschaften, aber es mangelt an konservativen Anlagen, die die nötige Rendite dazu bieten“, erklärte Will. Nur ein moderater Anstieg der Kapitalmarktzinsen könne mittelfristig Entlastung bringen.

„Die Versicherer haben die laufende Verzinsung 2010 überraschenderweise nur moderat abgesenkt“, sagte Lars Heermann von Assekurata. Die Verzinsung der Sparanteile in der Lebensversicherung sank gegenüber 2009 von durchschnittlich 4,25 Prozent auf 4,19 Prozent. In der privaten Rentenversicherung, der wichtigsten Sparte in der Lebensversicherung, ging sie von 4,28 Prozent auf 4,20 Prozent zurück. 41 von 72 analysierten Versicherern hielten ihre Verzinsung konstant.

Die höchsten Zinsen boten CiV und Europa mit 4,80 Prozent, Schlusslicht war Delta Lloyd mit 3,25 Prozent.

Jochen Sanio, Chef der Finanzaufsicht BaFin, erwartet, dass die Versicherer die Überschussbeteiligung in Zukunft weiter absenken werden. Will rechnet eher mit einer Stagnation beziehungsweise nur sehr geringen Rückgängen, weil die Versicherer die Attraktivität ihrer Policen nicht gefährden wollen.

Die relativ hohe Überschussbeteiligung hätten die Firmen vor allem durch Rückgriff auf ihre Reserven realisieren können. Das Leben auf Kosten der Rückstellungen könne aber nicht ewig weitergehen. „Sonst sind die Reserven in drei Jahren weg“, sagte Will weiter.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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