Staatsbürgschaft floppt

Nur wenige Firmen kaufen staatliche Ergänzungspolicen fürKreditversicherungen

Von Anja Krüger, Köln

Die staatlichen Zusatzdeckungen für Warenkreditversicherungen sind ein Ladenhüter: Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums haben Firmen bis Ende Januar gerade einmal 144 Verträge abgeschlossen. Bei den Policen trägt der Staat einen genauso großen Teil des Risikos wie die privaten Kreditversicherer. Die 144 abgeschlossenen Verträge haben eine Deckungssumme von mageren 11,78 Mio. Euro – die Regierung stellt aus dem Wirtschaftsfonds Deutschland immerhin 7,5 Mrd. Euro für die Bürgschaften bereit. Die privaten Anbieter hatten Ende vergangenen Jahres rund 40 000 Policen mit einer Deckungssumme von 255 Mrd. Euro im Bestand.

Mit Warenkreditversicherungen decken Firmen das Risiko, auf offenen Rechnungen sitzen zu bleiben, weil der Abnehmer zwischen Lieferung und Zahlung Pleite gegangen ist. Zu den großen Anbietern im Markt zählen die Allianz-Tochter Euler Hermes, Coface und Atradius. Weil sich in der Krise die Zahl der Insolvenzen stark erhöht hat, haben sie ihre Annahmepolitik verschärft.

Industrieverbände hatten den Kreditversicherern lautstark vorgeworfen, die Krise zu verstärken. Daraufhin hatte der Bund 2009 eine staatliche Ergänzungsdeckung eingeführt. Der Staat übernimmt ein Risiko aber nur, sofern auch ein Versicherer mit von der Partie ist, und gewährt maximal so viel Schutz wie er.

Der Kreditversicherer Coface hat bislang rund 50 Verträge vermittelt. „Ein großer Erfolg ist das nicht, wenn man bedenkt, wie heftig die staatliche Ergänzungsdeckung gefordert worden ist“, sagte ein Coface-Sprecher. Atradius und Euler Hermes wollten keine Zahlen nennen.

„Ich spreche viel über das Angebot, aber die Kunden winken ab“, sagte der Kreditversicherungsmakler Dirk Bedenbecker. Der Schutz sei den Kunden zu teuer. Bei der staatlichen Lösung liegen sie bei 2,88 Prozent der Deckungssumme. Die privaten Versicherer berechnen den Preis nach Umsatz und Risiko, das ist oft billiger.

„Die Ergänzungsdeckung läuft nicht so, wie sich die Regierung das vorgestellt hat“, sagte Ralph Liebke, Deutschlandchef des Großmaklers Aon Jauch & Hübener. Dass der Bedarf groß ist, zeigt die Nachfrage nach einer Ergänzungspolice, die Aon mit dem Versicherer ACE entwickelt hat. Auch hier stockt der Zweitversicherer die bestehende Deckung in derselben Höhe auf, im Gegensatz zur Staatsdeckung auch bei Exporten. Die Anfragen haben sich 2009 fast verdoppelt, sagte Liebke. Angaben zur Zahl der Verträge will er nicht machen. „Der Umsatz damit hat um 30 Prozent zugenommen.“

Die betreuten Kunden hätten 2009 neue Risiken in Höhe von 1 Mrd. Euro versichert, 60 Prozent davon lieferten ins Ausland, 40 Prozent innerhalb Deutschlands. „Wir erwarten, dass der Trend 2010 anhält“, sagte Liebke.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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