Als Single günstiger versichert

Gesellschaften bieten für Alleinstehende Tarife mit Rabatten an · Auch fürandere kann der Vertrag ohne Partner lohnen

VON Friederike Krieger

Spezielle Reiseangebote für Singles, kleinere Packungsgrößen im Supermarkt – die Unternehmen buhlen um die wachsende Zahl der Alleinstehenden in Deutschland. Auch die Assekuranz ist mit von der Partie. Viele Gesellschaften bieten spezielle Tarife mit kräftigen Rabatten für Singles an, vor allem in der Rechtsschutz- und der Haftpflichtversicherung. „In diesen beiden Sparten sind die Familienangehörigen traditionell mitversichert“, erklärt Hajo Köster vom Bund der Versicherten (BdV). Mit Singletarifen könnten Alleinstehende hier viel Geld sparen. Die Preisersparnis bewege sich in der Regel zwischen zehn und 25 Prozent.

Bei der Arag erhalten Alleinstehende, die älter als 50 Jahre sind, in der Privathaftpflicht sogar 35 Prozent Rabatt. Sie sind für Versicherer eine attraktive Personengruppe, da sie in der Regel weniger Schäden verursachen. „Singles über 50 Jahre sind zwar durchaus aktiv, treiben Sport und reisen viel, haben aber eine ganz andere Risikosituation als eine vierköpfige Familie“, sagt ein Sprecher. Sie seien erfahrener und abgeklärter. Jüngere Alleinstehende erhalten bei der Arag einen Preisnachlass von 25 Prozent. Soll ein Kind mitversichert werden, beträgt der Rabatt nur noch zehn Prozent. In der Rechtsschutzversicherung ist der Nachwuchs auch in den Singletarifen automatisch miteingeschlossen. Der Prämiennachlass beläuft sich hier auf 15 Prozent.

Doch nicht jeder Versicherer bietet Preisnachlässe für Singles an. Bei der Allianz gibt es in der Rechtsschutzversicherung keine speziellen Rabatte für Alleinstehende. Junge, kinderlose Singles können sich bei dem Versicherer aber verbilligte Auslandsreiseversicherungspakete zusammenstellen. Zur Auswahl stehen Auslandsreisekranken-, Unfall-, Privathaftpflicht-, Rechtsschutz-, Gepäck- und Reiserücktrittspolicen. „Durch die Fokussierung auf das Ausland ist der Bündeltarif günstiger als zum Beispiel eine normale Privathaftpflicht- oder Rechtsschutzversicherung“, sagt eine Allianz-Sprecherin. Ein 28-jähriger Mann, der im Ausland ein Jahr studieren oder arbeiten will, muss für den Baustein Privathaftpflicht in dem Paket nur 82 statt 142 Euro für das Einzelprodukt zahlen.

Der vollwertige Privathaftpflichtvertrag bietet allerdings im Inland sowie in der Ferne Schutz. Er ist für Singles immerhin noch 20 Prozent günstiger als der Familientarif. Soll auch ein Kind in den Vertrag aufgenommen werden, geht aber der komplette Preisnachlass verloren. „Wenn ein Kind oder ein Lebenspartner während der Vertragsdauer hinzukommt, sind diese bis zum Ende des laufenden Versicherungsjahrs mitversichert, danach ist die Umstellung auf eine Familienprivathaftpflicht erforderlich“, so die Allianz-Sprecherin.

Auch wenn der Single kein Single mehr ist, kann es Vorteile haben, den neuen Partner nicht mit in den Vertrag aufzunehmen. Das gilt für Fälle, in denen der Versicherte den Laptop der Freundin oder des Freundes ruiniert. „Die Singleversicherung ersetzt dann den Schaden“, sagt Köster vom BdV. Bei einer Police, in die der Lebenspartner miteingeschlossen ist, sei das nicht der Fall. Andererseits könne der Partner gegen einen kleinen Aufschlag mitversichert werden. Das sei günstiger als zwei separate Versicherungen, so Köster.

Keinen Single-Rabatt gibt es in der Regel in der Hausratversicherung. Die Prämie richtet sich hier nach dem Wert des Hausrats – unabhängig davon, wie viele Personen tatsächlich im Haushalt leben. Auch bei Unfallpolicen, privaten Kranken- sowie Lebensversicherungen und Berufsunfähigkeitsverträgen werden meist keine Preisnachlässe gewährt. „Eine Begünstigung von Alleinstehenden ließe sich hier nicht begründen, da die Tarife nach biometrischen Risiken kalkuliert werden“, erläutert die Allianz-Sprecherin.

Vom Abschluss einer Lebensversicherung rät Köster vom BdV ohnehin ab. „Kinderlose Singles benötigen weder eine Risikolebensversicherung noch eine kapitalbildende Lebensversicherung“, sagt er. Eine Risikolebenspolice sorgt dafür, dass die Familienangehörigen abgesichert sind, falls der Versicherte stirbt. Bei der kapitalbildenden Variante liegt das Hauptaugenmerk zwar auf dem Ansparen, doch auch hier wird für den Todesfall vorgesorgt. „Die Absicherung des Sterblichkeitsrisikos verschlingt 20 bis 50 Prozent der Beiträge“, erklärt Köster. Singles sollten daher lieber eine staatlich geförderte Rentenpolice, etwa einen Riester-Vertrag abschließen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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