Hannover Rück wird mutig

Konzern hebt Prognose für Jahresgewinn 2010 an // Steuerurteil peppt Ergebnisauf

Friederike Krieger , Köln

Der weltweit viertgrößte Rückversicherer Hannover Rück hat seine Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr nach oben geschraubt. Bisher hatte der Konzern für 2010 rund 600 Mio. Euro in Aussicht gestellt. Nun sagte Konzernchef Ulrich Wallin: „Wir rechnen nun mit einem Gewinn von mehr als 700 Mio. Euro.“

Der Rückversicherer profitiert dabei von Sondereffekten. Dank eines Steuerurteils des Bundesfinanzhofs zugunsten der Hannover Rück konnte der Konzern Rückstellungen auflösen. Sie steuerten 98 Mio. Euro zum Ergebnis bei. Der Gewinn im dritten Quartal stieg von 163 Mio. auf 271 Mio. Euro. Hannover Rück ist aber optimistisch, in den kommenden Jahren auch ohne Sondereffekte ordentlich wachsen zu können. Der Gewinn könne im Schnitt um zehn Prozent pro Jahr zulegen, sagte Finanzchef Roland Vogel.

Die Bruttoprämieneinnahmen stiegen um 11,5 Prozent auf 8,6 Mrd. Euro. Dazu trug vor allem das Lebensrückversicherungsgeschäft bei. Die Beiträge nahmen hier um 14,2 Prozent auf 3,7 Mrd. Euro zu. Im Gegensatz zum Konkurrenten Munich Re legten auch die Beiträge in der Schaden- und Unfallversicherung zu, und zwar um 9,5 Prozent auf 4,8 Mrd. Euro. Wallin ist skeptisch, ob die neuen Eigenkapitalregeln Solvency II den Rückversicherern auf breiter Basis mehr Geschäft bringen werden. „Im Lebensversicherungsgeschäft sehen wir eine höhere Nachfrage nach Bilanzhilfen, aber nicht in den Sachsparten“, sagte er.

Der Hannoveraner Konzern hat mit etlichen Großschäden zu kämpfen, wie der im Golf von Mexiko gesunkenen Ölbohrplattform „Deepwater Horizon“. „Die Belastung durch Großschäden ist immer noch sehr hoch“, sagte Wallin. Größter Einzelschaden war ein Erdbeben in Neuseeland, das mit 90 Mio. Euro zu Buche schlug. Die Netto-Großschadenbelastung in den ersten neun Monaten des Jahres lag mit 554 Mio. Euro wesentlich höher als im Vorjahreszeitraum, als die Hannover Rück nur 198 Mio. Euro für Großschäden zahlen musste. Die Schaden-und-Kosten-Quote verschlechterte sich von 96,8 Prozent auf 99,0 Prozent. Sie gibt an, wie viel ein Versicherer pro Beitrags-Euro für Schäden, Vertriebs- und Verwaltungskosten ausgibt.

Das Kapitalanlageergebnis verbesserte sich leicht von 850 Mio. auf 872 Mio. Euro. Wie bereits angekündigt hat die Hannover Rück im dritten Quartal wieder damit begonnen, in Aktien zu investieren. „Aus Vorsichtsgründen sehen wir bis zum Jahresende aber nur eine Aktienquote von maximal 2,8 Prozent vor“, sagte Wallin. Der Rückversicherer war 2008 nach der Lehman-Pleite und sehr hohen Abschreibungen auf Aktien aus diesen Papieren ausgestiegen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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