Garantiert weniger Geld

Nach Senkung des Garantiezinses noch schnell eine Lebenspolice abzuschließenbringt nichts

Anja Krüger

Anleger sollten die Senkung des Garantiezinses nicht zum Anlass nehmen, eine klassische Kapitallebensversicherung abzuschließen. Verbraucherschützer warnen davor, auf den bald beginnenden Schlussverkauf der Vertriebe einzugehen. Denn über die Rendite der Verträge sagt der auf einen neuen historischen Tiefstand gesunkene Garantiezins nichts aus. Dafür entscheidend ist die Gesamtverzinsung, von der die Garantie nur ein kleiner Teil ist. Für Kunden, die bereits eine klassische Kapitallebensversicherung haben, hat die Reduzierung keine Auswirkungen. „Die Senkung des Garantiezinses gibt keinen Anlass für einen Abschluss“, betont Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten.

Das Bundesfinanzministerium hat am Dienstag bekannt gegeben, dass der sogenannte Höchstrechnungszins in der klassischen Kapitallebens- und Rentenversicherung zum 1. Januar 2012 auf 1,75 Prozent zurückgefahren wird. Derzeit liegt er bei 2,25 Prozent. Bei fondsgebundenen Policen gibt es keinen vergleichbaren Wert, der Kunde trägt in diesem Fall das Risiko in der Regel allein.

Das Finanzministerium legt den Zins aufgrund der Entwicklung an den Kapitalmärkten fest. Er gibt an, wie viel die Versicherer Kunden maximal garantieren dürfen. Auf dieser Grundlage kann der Anbieter dem Kunden bei Vertragsabschluss sagen, wie viel Geld er mindestens bekommt, wenn er den Vertrag durchhält. Hinzu kommen weitere Gewinnbeteiligungen, die aber nicht garantiert sind. Die Unternehmen dürfen unter dem vom Ministerium festgelegten Wert bleiben, das tun sie aber aus Wettbewerbsgründen nicht. Allerdings: Auch wenn der maximale Prozentsatz für die Versicherer der gleiche ist, profitieren Kunden in sehr unterschiedlichem Maß davon. Denn die Anbieter verzinsen nicht die gesamte Prämie, sondern ziehen davon Kosten für die Vermittlerprovision, die Verwaltung und den Risikoschutz ab. Das können 20 Prozent oder mehr sein. Über die genaue Höhe sagen sie nichts – Geschäftsgeheimnis. Der bei Vertragsabschluss zugesagte Garantiezins gilt für die gesamte Laufzeit. Deshalb betrifft die aktuelle Reduzierung auch nur Kunden, die ab Januar 2012 einen Vertrag unterschreiben.

„Der Charakter des Garantiezinses hat sich geändert“, sagt Lars Heermann von der Ratingagentur Assekurata. Früher war er ein Indikator für die Rendite einer Lebenspolice, heute ist er nur noch ein Sicherheitspuffer. Denn die Versicherer haben die Gewinnbeteiligungsmechanismen geändert. Neben dem garantierten Zins bekommen Kunden eine laufende Überschussbeteiligung, die jährlich neu festgelegt wird. 2011 liegt die Gesamtverzinsung inklusive Garantie im Branchenschnitt bei 4,1 Prozent.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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