Versicherer rüsten auf gegen Betrug

Kunden schummeln vor allem bei Haftpflicht und Hausrat

Anja Krüger , Köln

Kaum ist die neue iPhone-Generation oder ein leistungsstärkeres Notebook im Handel, hagelt es Meldungen über beschädigte Altgeräte. Fingierte Meldungen, sagen die Versicherer. Glaubt man den Gesellschaften, ist Versicherungsbetrug ein Volkssport. Nach einer vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Auftrag gegebenen Umfrage haben vier Prozent der Haushalte in den vergangenen fünf Jahren einen Versicherungsbetrug begangen, weitere sieben Prozent wissen von einem Betrug im Freundes- und Bekanntenkreis. In weiten Kreisen gilt Mogeln bei der Schadenmeldung als Kavaliersdelikt. Vor allem bei privaten Haftpflicht- und Hausratversicherungen glauben die Bürger leicht betuppen zu können.

Dagegen rüsten die Versicherer weiter auf. Der GDV arbeitet an einem Ausbildungsweg für Betrugsspezialisten, sagte Thomas Leicht, Vorsitzender der GDV-Kommission Kriminalitätsbekämpfung. Die Sachversicherer gaben 2010 für Schadensfälle 42 Mrd. Euro aus – bei 54 Mrd. Euro Beitragseinnahmen. Die Branche schätzt, dass etwa zehn Prozent des Schadensvolumens auf Betrug zurückgehen. Viele Unternehmen haben Spezialabteilungen aufgebaut und Bagatellgrenzen abgeschafft, unterhalb derer keine Prüfungen erfolgen.

„Früher hat ein Sachbearbeiter bei einer Schadenmeldung intuitiv entschieden“, sagte Leicht, der auch Chef der Gothaer Allgemeine ist. Jetzt werde die Regulierung immer mehr systematisiert. Seit die Gothaer alle Brillenschäden von einem Gutachter prüfen lässt, sind diese Meldungen zurückgegangen. Die Branche betreibt mit dem „Hinweis- und Informationssystem“ eine schwarze Liste, auf die Verdächtige seit dem Frühjahr schneller kommen als früher.

Kunden mit einer Eigenbeteiligung schummeln offenbar seltener. Nach Leichts Angaben haben aber weniger als zehn Prozent der privaten Haftpflicht- und Hausratpolicen so eine Klausel. Für Kunden lohnt sich angesichts der geringen Beiträge ein Nachlass von maximal 15 Prozent für den Selbstbehalt kaum. Vermittler haben kein Interesse, Policen mit dieser Klausel zu verkaufen, weil mit der Prämie auch ihre Provision sinkt. „Die Gothaer arbeitet an einer Lösung, mit der für Vermittler der Vertrieb von Verträgen mit Selbstbehalt attraktiv wird“, sagte Leicht.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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