Billigerer Schutz für Führungskräfte

Policen, die vor Berufsunfähigkeit schützen, wurden kräftig überarbeitet -zum Vorteil von Neukunden

Friederike Krieger

Führungskräfte, die eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen wollen, erhalten bei vielen Gesellschaften jetzt bessere Konditionen. Der Grund: Etliche Versicherer haben in den vergangenen Monaten ihre Berufsgruppeneinteilungen überarbeitet. Dadurch sind die Beiträge für Akademiker mit Personalverantwortung vielerorts gesunken.

Mit den Policen können sich Arbeitnehmer und Selbstständige dagegen absichern, dass sie ihren Beruf wegen einer Krankheit oder eines Unfalls nicht mehr ausüben können. Die Höhe der Versicherungsprämie bemisst sich danach, wie hoch die Gefahr ist, dass die betreffende Person berufsunfähig wird. Um die Beiträge zu kalkulieren, sortieren die Versicherer die Berufe in mehrere Gruppen ein, abgestuft etwa nach Ausmaß der körperlichen Tätigkeit. Früher waren vier Gruppen üblich. Eins war die beste, vier die schlechteste Kategorie. Jetzt haben viele Anbieter noch Zwischenstufen eingebaut.

Andere Versicherer, etwa die Neue Bayerische Beamten Lebensversicherung (BBV-Neue Leben), haben einzelne Berufe noch einmal näher unter die Lupe genommen und sie neu in die bestehenden Kategorien einsortiert. Bei der BBV-Neue Leben betraf das rund 1000 Berufe. „Wir haben überprüft, ob die Berufsgruppen mit den Berufsbildern noch übereinstimmen“, erklärt Andrea Veltl, Aktuarin bei der BBV Neue Leben. So schleppten Drucker früher vor allem schwere Druckplatten. Heute sitzen sie öfter am PC. Deshalb wanderten Drucker von der riskanteren und teureren Gruppe vier in Gruppe drei. Sie müssen jetzt rund 30 Prozent weniger Beitrag zahlen.

Auch der Versicherer Zurich hat etliche Berufe im vergangenen Jahr neu sortiert. „Grundsätzlich wurden im vergangenen Jahr rund 300 klassische kaufmännische Berufe wie Bank- oder Industriekaufmann von der Berufsgruppe zwei in die Berufsgruppe eins umgruppiert, wodurch eine deutliche preisliche Verbesserung erzielt wurde“, sagt ein Sprecher der Zurich.

Martin Zsohar, Geschäftsführer der Versicherungs-Ratingagentur Morgen & Morgen, sieht vor allem junge Neukunden mit „guten Risiken“ als Gewinner dieser Entwicklung. „Um sie ist ein scharfer Wettbewerb entbrannt“, sagt er. Gute Risiken sind für die Versicherer Personen, die ihre Zeit fast nur im Büro verbringen und eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Studium vorweisen können. Auch Führungskräfte mit Personalverantwortung sind gern gesehen. Die Idee: Wer Untergebene hat, kann stressbeladene Tätigkeiten delegieren und schont sich selbst. Diese Merkmale fragen die Versicherer neuerdings verstärkt ab. Wer alle drei Kriterien erfüllt, kann mit einer besseren Einstufung als früher rechnen.

So musste ein 30-jähriger leitender kaufmännischer Angestellter mit akademischem Abschluss und zehn Untergebenen Mitte 2010 bei der Axa für eine Berufsunfähigkeitspolice, die 2000 Euro monatliche Rente verspricht, noch 90,29 Euro zahlen. Schließt er sie heute ab, sind es nur noch 70,25 Euro (siehe Tabelle). Der Haken: Von den neuen Berufsgruppen profitieren in erster Linie Neukunden. Bestandskunden werden nicht automatisch umgruppiert. „Anders als in der Krankenversicherung gibt es in der Regel kein Wechselrecht“, sagt Zsohar. Wer also in eine günstigere Berufsgruppe aufsteigen will, muss im Zweifelsfall nochmals eine Gesundheitsprüfung über sich ergehen lassen. Ist der Versicherte schon älter oder hat er Vorerkrankungen, wird es mit dem günstigeren Tarif nichts.

Auch Quereinsteiger in kaufmännischen Berufen schauen in die Röhre. „Früher fragten die Versicherer nur nach kaufmännischer Tätigkeit, heute schauen sie vor allem auf die Abschlüsse“, sagt Zsohar.

Das Problem, dass einige Personen erst gar keine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen, sei durch die neuen Berufsgruppen nicht gelöst worden, glaubt Zsohar: „Bei den schlechten Risiken sind die Versicherer eher noch rigider geworden.“ Schlechte Risiken sind Personen, die körperlich schwere Arbeiten verrichten oder Vorerkrankungen haben. Sie müssen weiterhin mit Prämienaufschlägen, Ausschlüssen oder einer kompletten Ablehnung rechnen. Auch Menschen mit psychisch belastenden Berufen wie Lehrer sind bei den Versicherern nicht gern gesehen.

Veltl von der BBV-Neue Leben sieht das anders. Bei dem Versicherer hätten vor allem Handwerks- und Industrieberufe wie Dachdeckermeister oder Fabrikarbeiter von der Neueinstufung profitiert. „In den höher angesiedelten Berufsgruppen haben wir gerade mal halb so viele Berufe umsortiert wie in den Gruppen drei und vier“, sagt sie. Personen mit Vorerkrankungen müssten allerdings nach wie vor mit Zuschlägen rechnen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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