Allianz wegen Riester in der Kritik

Verbraucherschützer werfen Versicherer Benachteiligung von Kunden mitgeringen Beiträgen vor

Anja Krüger

Verbraucherschützer fahren schwere Geschütze gegen die Riester-Rente der Allianz Leben auf. Die Verbraucherzentrale Hamburg und der Bund der Versicherten (BdV) fordern, dass der Versicherer seine klassische Riester-Rente vom Markt nehmen soll. Sie werfen dem Marktführer in der Lebensversicherung vor, Kunden mit geringen Beiträgen zur Riester-Rente zu benachteiligen. Bis Freitag soll die Allianz Leben eine Unterlassungserklärung abgeben. Das hätte zur Folge, dass der Marktführer seine Riester-Rente vom Markt nehmen müsste. „Das werden wir nicht tun“, sagt ein Sprecher der Allianz Leben. In diesem Fall würden die Verbraucherschützer vor Gericht ziehen, kündigte BdV-Chef Axel Kleinlein an.

Die beiden Organisationen monieren den Umgang der Allianz Leben mit den sogenannten Kostengewinnen bei Riester-Renten. Kostengewinne entstehen, wenn der Versicherer bei der Kalkulation der Beiträge die Verträge mit höheren Kosten für Verwaltung und Vertrieb belastet als tatsächlich anfallen. Je höher die Kosten, desto niedriger die spätere Rente. Die Teile der einkalkulierten Kosten, die nicht verbraucht werden, muss der Versicherer nicht komplett an die Kunden zurückgeben, sondern nur zu 50 Prozent. Die Allianz Leben beteiligt an diesen Kostengewinnen nur Kunden mit Riester-Renten, die in der Vertragslaufzeit mehr als 40 000 Euro selbst einzahlen. Der Clou bei der Riester-Rente sind aber gerade die staatlichen Zulagen, die Kunden für sich und ihre Kinder bekommen.

Für Familien mit vielen Kindern sowie Kunden, die erst spät einen Vertrag abschließen oder wegen ihres geringen Verdienstes nur kleine Beiträge ansparen, sei die Grenze von 40 000 Euro oft nicht erreichbar, sagen die Verbraucherschützer. „Es ist ein Skandal, dass diejenigen, die eigentlich besonders auf die staatlich geförderte Zusatzrente angewiesen sind, nicht an den Kostenüberschüssen beteiligt werden“, sagt Kleinlein.

Nach Berechnungen des BdV stehen Riester-Rentnern, die nicht an den Kostenüberschüssen beteiligt werden, bei einem durchschnittlichen Vertrag 3500 Euro weniger zur Verfügung. „Die so entstehende soziale Schieflage eines staatlich geförderten Produkts ist unerträglich“, kritisiert die Verbraucherzentrale Hamburg.

Die Allianz Leben bestreitet nicht, Kunden mit Eigenbeiträgen unter 40 000 Euro nicht an den Kostengewinnen zu beteiligen. Riester-Sparer mit Kindern oder geringen Einkommen sowie ältere Kunden würden keineswegs benachteiligt, sagt der Sprecher der Allianz Leben. „Vielmehr zahlen gerade diese Kunden kleinere Beiträge und werden daher in viel geringerem Maß mit Kosten belastet als Kunden mit höheren Beiträgen.“ Gleichzeitig sei die Verwaltung von Riester-Verträgen, vor allem aufgrund des Zulageverfahrens, aufwendiger als bei anderen privaten Rentenversicherungen. Kostenüberschüsse entstünden nur durch Verträge, die mit einem überdurchschnittlichen Beitrag abgeschlossen würden.

Dass Kunden mit unterdurchschnittlich niedrigen Beiträgen 3500 Euro weniger bekommen, bestreitet der Versicherer. „Die Zahlen sind für uns nicht nachvollziehbar“, sagte der Sprecher. So hoch könne der Kostenüberschuss nicht ausfallen. Könne er doch, sagt Kleinlein. Denn bei den Berechnungen müsse auch der Zinseszinseffekt berücksichtigt werden.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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