Aufsicht sorgt sich um Versicherer

Bankähnliche Aktivitäten der Branche machen die Eiopa nervös. Die Behördewill mehr Macht

Friederike Krieger

Friederike Krieger , Frankfurt

Die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa will der Assekuranz bei Ausflügen in das Bankgeschäft stärker auf die Finger schauen. „Wenn die Konzerne nicht traditionelle Aktivitäten außerhalb des Versicherungsgeschäfts ausbauen, sollten sie in diesen Bereichen auch wie Banken behandelt werden“, sagte Eiopa-Chef Gabriel Bernardino bei der jährlichen Konferenz der Behörde in Frankfurt. „Wir müssen Anreize vermeiden, Bankenrisiken in den Versicherungsbereich zu verlagern, weil die Regulierung bei systemischen Risiken im Bankensektor strenger ist.“

Die Versicherer wehren sich vehement dagegen, dass auch Unternehmen ihrer Branche als systemrelevant eingestuft werden. Schließlich drohen dann auch ihnen strengere Regeln. Allerdings tummeln sich immer mehr Versicherer in den nicht traditionellen Segmenten wie der Kreditvergabe oder der Finanzierung von Großprojekten, weil herkömmliche Anlagen wie Staatsanleihen immer weniger abwerfen. „Die aktuelle Krise hat gezeigt, dass gewisse Aktivitäten im Versicherungssektor ein systemisches Risiko darstellen können“, sagte Bernardino. So ist die amerikanische Gesellschaft AIG nicht wegen ihres Versicherungsgeschäfts in die Krise geraten, sondern weil sie sich am Finanzmarkt verspekuliert hatte.

Bernardino unterstützt den Ansatz des Financial Stability Boards (FSB) und der Aufsehervereinigung Internal Association of Insurance Supervisors (IAIS), neben Banken auch Versicherer mit Systemrelevanz zu identifizieren. Das IAIS arbeitet derzeit an einer Liste mit entsprechenden Versicherern. „Wir planen, Ende des ersten Quartals 2013 mit dem Paket fertig zu sein“, sagte Peter Braumüller, Vorsitzender des IAIS-Exekutivkomitees.

Nikolaus von Bomhard, Chef des Rückversicherers Munich Re, warnte allerdings davor, bei der Festlegung systemisch relevanter Versicherer über das Ziel hinauszuschießen. Das IAIS solle sich genau an die Definitionen des FSB halten. „Es kommt nicht darauf an, wie viele Versicherungsnehmer durch die Insolvenz eines Versicherers geschädigt werden“, so Bomhard. „Das ist ohne Zweifel fürchterlich für die Kunden, aber das ist nicht das richtige Maß für Systemrelevanz.“ Es reiche nicht aus, nicht traditionelle Versicherungsaktivitäten zum Indikator für Systemrelevanz zu machen, sagte Bomhard. „Diese Geschäfte müssen Auswirkungen auf das gesamte Finanzsystem haben.“

Die Versicherungsaufsicht möchte zudem mehr Macht bekommen, um irreführende Produkte vom Markt nehmen und unerwünschte Praktiken wie Falschberatung verbieten zu können. „Es besteht ein dringendes Bedürfnis, die Möglichkeit in die Versicherungs- und Altersvorsorgerichtlinien zu verankern, solche Aktivitäten verbieten oder beschränken zu können“, sagte Bernardino.

Künftig reden die Versicherungsaufseher auch bei der Altersvorsorge mit. „Wir sollten prüfen, ob es möglich ist, ein EU-weites Altersvorsorgeprodukt zu entwickeln“, sagte Bernardino. Vor allem in der betrieblichen Altersvorsorge gebe es in den EU-Ländern viele unterschiedliche Vertragstypen und Regulierungsvorgaben. Eiopa wolle Charakteristika wie hohe Transparenz, langfristige Ausrichtung und geringe Kosten definieren. Anbieter, deren Produkte diese Vorschriften erfüllen, würden zertifiziert und könnten europaweit anbieten.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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