Wer hat Angst vor Google?

In Großbritannien bietet die Firma ein eigenes Onlinevergleichsportal an. Für Deutschland gibt es ähnliche Pläne

Friederike Krieger

Friederike Krieger

Wenn deutsche Versicherer den harten Konkurrenzkampf in der Autoversicherung anprangern, klagen sie verglichen mit dem britischen Markt auf hohem Niveau. Nach einer Umfrage von mobile.de planen hierzulande nur sieben Prozent der Autofahrer, in diesem Jahr den Kfz-Haftpflichtversicherer zu wechseln. In Großbritannien sehen sich dagegen fast 80 Prozent zur jährlichen Vertragserneuerung nach einer günstigeren Gesellschaft um. Der Wettbewerb um Neukunden findet in erster Linie im Internet statt.

In Großbritannien fließen den Kfz-Versicherern inzwischen rund 77 Prozent des Neugeschäfts über diesen Weg zu, in Deutschland sind es gerade einmal 15 Prozent. Knapp 58 Prozent vermitteln Vergleichsportale an die Gesellschaften. Gocompare.com, Confused.com, Moneysupermarket.com und Comparethemarket.com sind die vier größten Seiten. Seit Neuestem ist mit dem Internetgiganten Google ein weiterer Spieler mit von der Partie. Beschränkte sich das Unternehmen bisher darauf, Anzeigenplätze an Versicherer und Portale zu verkaufen, schickt sich Google jetzt an, selbst beim Preisvergleich mitzumischen. Seit Mitte September zeigen Googlerecherchen nach günstigen Autoversicherungen in Großbritannien unter den klar gekennzeichneten bezahlten Anzeigen einen sogenannten Sponsored Link – dahinter verbirgt sich das googleeigene Vergleichsportal. In Deutschland hegt der Internetgigant ähnliche Pläne.

In England könnte das die anderen Portale hart treffen, glaubt Steve Shurety von der Beratung Towers Watson. „Bis heute sieht es so aus, als sei nur Platz für vier Vergleichsportale im Markt“, sagt er. „Wenn Google zu einem großen Spieler in diesem Markt aufsteigt, werden die anderen Portale sich anstrengen müssen, ihre Volumina beizubehalten.“

Einige Marktteilnehmer glauben, dass Google vor allem deshalb im Markt mitmischt, um später einmal selbst Risikoträger zu werden. „Google wird ein Anbieter von Versicherungen werden“, sagt Björn Weikert, Vorstand des in Deutschland führenden Vergleichsportals Check24.

Shurety von Towers Watson hält das für unwahrscheinlich, jedenfalls kurzfristig. „Einnahmen aus dem Vertrieb sind viel berechenbarer als aus dem Versicherungsgeschäft, insbesondere im Kfz-Geschäft“, sagt Shurety. Ein Risikoträger könne je nach Marktlage auch Verluste machen, während einem Portal durch Provisionen ein stetiger Einnahmestrom zufließt. „Und ein Anbieter, der sowohl den Vergleich als auch den Versicherungsabschluss anbietet, muss beides sehr sauber trennen“, sagt er. „Dadurch ist es für Google nicht unbedingt ein logischer Schritt, zum Versicherer zu werden.“

Auch Sita Schwenzer, Geschäftsführerin des Direktversicherers Admiraldirekt.de, glaubt nicht an einen Versicherer Google. „Das ist reine Paranoia“, sagt sie. Versicherung sei nicht Googles Kernkompetenz. Sie begrüßt die Pläne des Internetgiganten, ein eigenes Portal aufzusetzen. „Es wäre schön, wenn es einen weiteren großen Spieler im Markt gibt“, sagt sie. Bisher traue sich nur Transparo, die Marktdominanz von Check24 herauszufordern. Daneben gibt es noch eine Fülle kleinerer Portale. Kunden, die im Internet nach einem Vergleich suchen, wüssten oft nicht, welcher Anbieter seriös ist. Zudem lieferten die Portale unterschiedliche Ergebnisse. Google könne Licht in das Dunkel bringen. „Aber auch das wird keine Revolution, denn es gibt in Deutschland nur einen begrenzten Anteil an Menschen, die bereit sind, ihre Versicherung zu wechseln“, sagt Schwenzer. Im Vergleich zu den Briten seien die Deutschen eher konservativ, sagt sie. „Viele nehmen automatisch an, dass eine Police, die weniger kostet, auch weniger leistet.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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