Gefahren virtueller Marktplätze kaum versicherbar

Viele Industrieunternehmen setzen deshalb vor allem im E-Commerce auf gutes Risiko-Management. Von Anja Krüger, Düsseldorf

Produzierende Unternehmen mit punktuellen E-Commerce-Aktivitäten können mit herkömmlichen Versicherungslösungen kaum die Risiken abdecken, die auf den virtuellen Märkten lauern. BASF-Jurist Swen Grewenig plädiert deshalb dafür, dass Firmen Risk-Management-Konzepte im Bereich E-Commerce entwickeln und sich nicht auf Versicherungen verlassen.

Der elektronische Handel wird auch für klassische Industrieunternehmen immer wichtiger. BASF hat gemeinsam mit Henkel, Degussa-Hüls und SAP eine Buyer Agency gegründet. Hier sucht das Unternehmen unter anderem nach Rohstofflieferanten. Kunden des Ludwigshafener Konzerns können per Mausklick Aufträge erteilen.

Ein Industrieunternehmen hat schon große Probleme, zu identifizieren, welche Bereiche bereits versichert sind und welche nicht, erklärte Grewenig bei einer Euroforum-Tagung in Düsseldorf. „Es handelt sich teilweise um schon bekannte Risiken, die eingeschränkt mit bestehenden Versicherungsprodukten abgesichert sind“, sagte er.

Brennt das Rechenzentrum ab, in dem der Server für den virtuellen Marktplatz steht, handelt es sich um einen konventionellen Brandschaden. Nicht gedeckt sind aber Vermögensschäden, die entstehen, wenn Daten abhanden kommen. Für produzierende Unternehmen und Versicherungen sind die Vermögensschäden kaum abschätzbar, die etwa auf Grund von Hacker-Attacken durch Betriebsausfälle entstehen könnten. „Bei reinen E-Commerce-Firmen wie Amazon ist die mögliche Schadenhöhe in einem solchen Fall einfacher zu kalkulieren“, glaubt Grewenig. Versicherungen könnten gegenüber den Unternehmen immer argumentieren, dass die Geschäftsoperationen auf herkömmliche Methoden umgeleitet werden können.

Manche Risiken seien schlicht nicht versicherbar. „Das gilt zum Beispiel wenn ein Problem im Bereich des E-Commerce einen Rückgang des Aktienkurses verursacht.“ Das Mittel der Wahl zur Risikominimierung ist für Grewenig deshalb ein konsequentes Risiko-Management. Schon bei der Projektplanung müssten die Verantwortlichen Risiken identifizieren sowie Vermeidungs-und Bewältigungsstrategien entwickeln. Erst danach sollten sie über den Risikotransfer entscheiden und dazu auch Kapitalmarktlösungen in Erwägung ziehen. „Wenn überhaupt, können Versicherungen nur das Restrisiko erfassen“, sagte er.

Die Angebote der Versicherungswirtschaft seien hinsichtlich Deckungsumfang und Kapazität nicht auf Industrieunternehmen zugeschnitten, so Grewenig. Die Zurückhaltung sei verständlich. „Es gibt keine Erfahrungen mit der Frequenz und Höhe entstehender Schäden.“

Quelle: Financial Times Deutschland


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