Bomhard wettert gegen US-Aufsicht

Münchener-Rück-Chef sieht Nachteile durch Vielzahl von Behörden und mahnt Reform an

Von Herbert Fromme, Southampton/Bermuda Der weltweit zweitgrößter Rückversicherer Münchener Rück dringt auf eine Änderung der US-Versicherungsaufsicht. Im größten Versicherungsmarkt der Welt sollte rasch zumindest für Rückversicherer eine einheitliche Aufsicht auf Bundesebene die 50 Behörden in den Einzelstaaten ersetzen, sagte der Vorstandsvorsitzende Nikolaus von Bomhard bei einer Fachtagung in Southampton, Bermuda.

Er verlangte weiter, dass die USA sich mit der EU auf eine gegenseitige Anerkennung der jeweiligen Rückversicherungsaufsicht einigt. Schließlich müssten die Amerikaner das Problem der Sicherheiten lösen.

Nichtamerikanische Rückversicherer müssen bei ihren Kunden Sicherheiten stellen, meistens in Form einer Bankbürgschaft in Höhe der gesamten Schadenreserve. Sie soll dafür sorgen, dass der ausländische Rückversicherer im Schadenfall auch zahlt und sich nicht einfach zurückzieht. US-Rückversicherer, die in Europa tätig sind, müssen solche Sicherheiten nicht stellen. Allerdings erwägt die EU-Kommission als Antwort eine ähnliche Regelung. Das System der Sicherheiten oder Collaterals verteuert das US-Geschäft der Europäer. „Sie sollten und müssen die Frage der Sicherheiten lösen“, sagte von Bomhard an die Adresse der USA gerichtet.

Die Rückversicherungsbranche habe „enorme Reibungsverluste“ durch die verschiedenen Aufsichtsregime, beklagte er. Verglichen mit Banken benötige sie viel mehr Kapital und hätte viel höhere aufsichtsbezogene Kosten.

Die anwesenden US-Aufseher machten von Bomhard allerdings wenig Hoffnung. Howard Mills, Chef der New Yorker Versicherungsaufsicht, sagte, es gebe eine starke Lobby der einheimischen Rückversicherer. „Viele Versicherungsaufseher und Gouverneure hören auf diese Lobby“, sagte Mills.

Rückversicherer übernehmen von den Erstversicherern wie Allianz, AIG oder Zurich – die ihrerseits Geschäfte mit Endkunden betreiben – Teile ihrer Risiken und sichern die Gesellschaften gegen extrem große Schäden ab.

In Deutschland habe es bis vor kurzem gar keine direkte Aufsicht über Rückversicherer gegeben, und die Münchener Rück habe das immer verteidigt. Das sei spätestens nach dem 11. September 2001 wegen erhöhter Anforderungen von Rating-Agenturen und Aufsehern nicht mehr haltbar gewesen. Jetzt habe Europa ein „cleveres System“. Alle EU-Mitgliedsstaaten erkennen die Aufsicht im jeweiligen Heimatland eines Rückversicherers an.

Von Bomhard schlug vor, dass Europa und Bermuda ihre Finanzaufsicht über Rückversicherer gegenseitig anerkennen. Auch mit den USA sollte es so rasch wie möglich eine gegenseitige Anerkennung geben. Dafür müssten die USA aber ihr momentanes System der Aufsicht durch die einzelnen Bundesstaaten ändern. „Sonst wird das ein Albtraum.“

Martin Sullivan, der Chef des nach Börsenwert größten Versicherers der Welt, der AIG, unterstützte die Forderung nach Zentralisierung der US-amerikanischen Aufsicht. Das kann laut Sullivan aber nicht auf einen Schlag gelöst werden, man müsse mit einzelnen Bereichen beginnen.

Zitat:

„Sie müssen die Frage der Sicherheiten lösen“ – Nikolaus von Bomhard –

Bild(er):

Klare Worte: Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard lässt keinen Zweifel daran, dass er das System der US-Versicherungsaufsicht für nicht optimal hält – Argum/Falk Heller

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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