Im Übernahmepokersteht Allianz zu Schering

Fondsmanager stufen Merck-Angebot dagegen als fair ein

Von Herbert Fromme, München, Thorsten Kramer, Mark Böschen und Elisabeth AtZler, Frankfurt Die Allianz, mit einem Anteil von knapp zwölf Prozent größter Schering-Aktionär, unterstützt das Schering-Management, das zumindest einen höheren Übernahmepreis erzielen will. Dies erfuhr die FTD gestern aus Unternehmenskreisen. Offiziell wollte der Versicherer zum Angebot von Merck nicht Stellung nehmen. Die Informationen widersprechen den Angaben des Merck-Finanzchefs Michael Becker vom Tag zuvor. Er hatte den Eindruck erweckt, die Allianz stehe dem Angebot wohlwollend gegenüber.

Die anderen bei Schering engagierten institutionellen Investoren bewerteten das Angebot von Merck in einer Umfrage der FTD dagegen positiv. Merck hatte den Schering-Aktionären am Montag 77 Euro je Aktie geboten. An der Börse schoss der Schering-Kurs aber deutlich über diese Summe hinaus. „Der Markt spekuliert darauf, dass Merck das Angebot nachbessert“, sagte ein Fondsmanager. Die Anleger wurden durch Merck-Aufsichtsratschef Wilhelm Simson bestärkt; er schloss gestern nicht aus, dass Merck aufstocken könnte.

„Die Präsentation von Merck am Montag hat mir die Skepsis genommen. Ich bin davon überzeugt, dass die Übernahme für die Aktionäre sinnvoll ist, und ich halte 77 Euro pro Aktie für ein faires Angebot“, sagte Anja Seyfried, Fondsmanagerin bei Activest. Auch Union Investment sieht die Übernahme positiv. „Das Konzept ist durchdacht. Es ergibt Sinn, dass Merck sich mit Schering verbreitert“, sagte Fondsmanager Sébastien Buch. 77 Euro pro Aktie dürfte für viele Schering-Aktionäre interessant sein. „Wir begrüßen, dass Merck die Offerte in bar abgegeben hat“, sagte er.

Ein Fondsmanager stufte die Offerte als „ordentlich“ ein. Sie umfasse eine „fette Prämie“ zum Schering-Kurs der vergangenen Monate. Vor dem Angebot schwankte die Aktie über Monate zwischen 50 und 60 Euro. „Ich gehe dennoch davon aus, dass Merck das Angebot nachbessern wird, und zwar auf das Preisniveau, das sich derzeit am Markt bildet“, sagte der Fondsmanager. Ein höheres Konkurrenzangebot gilt dagegen als unwahrscheinlich. „Mir fehlt die Fantasie, um ein Unternehmen zu nennen, das als Weißer Ritter auftreten könnte“, sagte Fondsmanagerin Seyfried. Für Merck ist die Übernahme aus Sicht der Investoren finanzierbar. „Mit der Unterstützung der Eigentümer und einer Kapitalerhöhung kann Merck auch ein höheres Angebot für Schering bezahlen, ohne sein Kreditrating zu gefährden“, sagte ein Investor.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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