Diskriminierung bringt Geschäft

Neues Gesetz führt zu Versicherungsbedarf · USA ist Vorbild bei EPLI

Von Herbert Fromme Die von der schwarz-roten Koalition geplante Umsetzung der EU-Antidiskriminierungsrichtlinie in deutsches Recht könnte der Versicherungsbranche ein neues Geschäftsfeld bringen – und der Industrie höhere Versicherungskosten.

Der gerade von Talanx übernommene Gerling-Konzern hat bereits fertige Policen entwickelt. Gerling und sein Haftpflichtchef Hermann Jörissen sind Trendsetter in der Industriehaftpflicht. Bringen sie eine solche Police, muss der Rest des Marktes mitziehen.

Vorbild sind die USA. Dort haben auch deutsche Versicherer schon spezielle Policen für die Employment Practices Liability Insurance (EPLI) auf den Markt gebracht.

Fachanwalt Thomas Cherry von der Kanzlei Wilson Elser kennt die Märkte in den USA, Deutschland und Großbritannien sehr gut. Cherry erwartet auch für Deutschland künftig mehr Klagen auf Grund von Diskriminierung. „Das ist wie bei der Managerhaftung“, sagte er. „Die Haftungswelle beginnt in den USA, überquert den Atlantik, stoppt kurz in Großbritannien und kommt dann nach Kontinentaleuropa.“

Deutsche Manager haben Glück, wenn es bei einem Gesetz bleibt. Das ist in den USA anders. „Es gibt Hunderte von Gesetzen und Vorschriften zur Diskriminierung. Wir haben Vorschriften auf Gemeindeebene, wir haben Gesetze auf Einzelstaats- und Bundesebene“, sagt Linda Soughan vom Versicherer Arch Insurance. „Es gibt ein separates Gesetz zur Altersdiskriminierung, eines für behinderte Menschen, ein drittes für das Verhalten in der Schwangerschaft“, erzählt sie.

„Kaum jemand nimmt eine Entlassung einfach hin“, sagt Susan Friedman, Senior Vice President beim weltgrößten Versicherungsmakler Marsh. „Viele Leute meinen, da muss Diskriminierung der einen oder anderen Art im Spiel sein.“

Die Summen können in die Millionen gehen. 508 Mio. $ zahlte der Radiosender Voice of America, weil das Management Frauen bei der Einstellung und Beförderung benachteiligt hatte. IBM zahlte 320 Mio. $ wegen der Diskriminierung älterer Mitarbeiter. Aus demselben Grund musste der Pensionsfonds Calpers 250 Mio. $ aufbringen.

Ein durchschnittlicher außergerichtlicher Vergleich wegen unrechtmäßiger Entlassung koste 778 000 $, so Anwalt Cherry, bei Diskriminierung aus Altersgründen seien es 2,6 Mio. $. „Dazu kommen noch die Anwaltskosten, die können bei einem einfachen Fall 75 000 $ betragen, bei einem nur leicht komplizierten Fall geht es schnell auf 200 000 $ und mehr“, sagt Spezialistin Soughan.

Aus den USA kommen neben der EPLI-Versicherung auch gute Tipps, wie sich Unternehmen gegen Diskriminierungsvorwürfe schützen können. Cherry rät zu „null Toleranz“ gegenüber allen Formen der Diskriminierung. Ein einfach geschriebenes, deutliches Handbuch für jeden Mitarbeiter müsse erstellt werden. Bei Stellenausschreibungen lohne es, viele Kandidaten und Kandidatinnen aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu Vorstellungsgesprächen einzuladen. Auch das Prinzip, im Konfliktfall Personaldinge nur von zwei Managern mit dem Mitarbeiter besprechen zu lassen, sei wichtig.

Zitat:

„Das ist wie bei der Manager-haftung“ – FachanwaltThomas Cherry –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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