HUK-Coburg greift mit Billigtarif an

Preiskampf in der Autoversicherung verschärft sich · Marktzweiter kontert Allianz

Von Herbert Fromme, München Mit einer besonders günstigen Kaskoversicherung versucht der Marktzweite HUK-Coburg, wieder in die Offensive zu kommen. Kunden, die ihre Fahrzeuge nur in einer der 1200 Partnerwerkstätten des Versicherers reparieren lassen, erhalten einen Preisnachlass von 15 Prozent.

Konkurrenten argwöhnen, dass dies ein nicht kostendeckender Kampfpreis ist. HUK-Coburg-Chef Rolf-Peter Hoenen bestreitet das. „Unsere Versicherungsmathematiker haben das sorgfältig kalkuliert“, sagte er. Der Preisnachlass sei durch die günstigeren Preise, die der Versicherer bei seinen Vertragspartnern erziele, vollständig gerechtfertigt.

HUK-Coburg wurde als reiner Beamtenversicherer gegründet und nutzt seither sein Image als preiswerter Anbieter auch bei anderen Autofahrern geschickt aus. Seit Jahren gewinnt das Unternehmen Marktanteile – auch 2005, als die Gruppe um 1,5 Prozent auf 7,53 Millionen versicherte Fahrzeuge zulegte. Das Wachstum war doppelt so hoch wie das des Marktes. In der Wechselsaison zum Jahresende schwächelte HUK-Coburg aber und verlor rund 0,5 Prozent, während Erzrivale Allianz wuchs. In der Branche wird der neue Spezialtarif als Antwort gesehen.

Die Allianz hatte 2004 mit einer massiven Preissenkung die gegenwärtige Auseinandersetzung ausgelöst. 2005 erntete sie die Früchte und konnte den jahrelangen Abrieb der Kundenzahl stoppen – der Marktführer steigerte die Zahl der versicherten Fahrzeuge von 8,79 Millionen auf 8,89 Millionen.

Die Autoversicherung ist mit marktweit 22 Mrd. Euro Prämieneinnahmen die wichtigste Sparte für die deutschen Schaden- und Unfallversicherer. Nach einem früheren Preiskampf, der 1996 begann, hatte die Branche seit 2002 wieder ordentlich verdient. Seit zwei Jahren sind die Preise unter Druck – auch deshalb, weil es weniger Unfälle gibt und der Aufwand pro Schaden nur moderat steigt.

Hoenen schätzt, dass die Preise in den vergangenen zwei Jahren um 10 bis 15 Prozent gesunken sind. Er beobachte „aggressive Abwerbeversuche mit Beliebigkeitsrabatten“. Die meisten Autoversicherer haben zudem billigere Zweitmarken eingeführt, auch die HUK Coburg. 2006 werde es aber nur leichte Preissenkungen geben, „fünf Prozent wären sehr viel“.

Das Wachstum der HUK-Gruppe im Jahr 2005 betrug 114 000 Verträge – der Saldo aus 693 000 Abgängen und 807 000 Neuverträgen. Er kam aber unter dem Strich nicht dem Beamtenversicherer HUK Coburg und der allgemein geöffneten HUK-Coburg Allgemeine zugute, sondern nur der Internettochter HUK 24. Sie steigerte die Zahl der versicherten Fahrzeuge sehr deutlich um 115 000 auf 391 000. Nicht zufällig hat die Allianz im Oktober 2005 mit Allianz 24 einen direkten Konkurrenten gegründet.

Die HUK-Coburg-Gruppe steigerte ihre Prämieneinnahmen um 2,8 Prozent auf 4,73 Mrd.Euro. Davon kamen 2,41 Mrd. Euro aus der Autoversicherung, ein Minus von 0,2 Prozent. Die Gruppe wird von einem Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit geführt. Der Konzerngewinn von 443 Mio. Euro – eine Steigerung um 91 Prozent – bleibt als Eigenkapital im Unternehmen. Angesichts der Anforderungen der Aufsicht an die Kapitalstärke der Versicherer, das künftig mit dem Solvency-II-System gemessen wird, brauche die Gruppe diese Stärkung, sagte Finanzchef Wolfgang Weiler.

Bild(er):

Kraft-Fahrzeug: Auch die HUK Coburg versucht, Wagen zu sich herüberzuziehen. Ein neuer Kfz-Tarif soll Marktanteile bringen – Picture-Alliance/dpa/Tass Mashkov

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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