Rekordhalter bei Hightech-Patenten

Mit München liegt Aachen auf dem ersten Platz unter den deutschen Anmeldern

Von Patrick Hagen Mit Technik aus Aachen wirbt der amerikanische Autokonzern General Motors in den USA für sein neues Mittelklasse-Modell Buick Lucerne. In einem TV-Spot zeigt „Mr. Aachenhead“Euro, wie leise der Wagen sein soll. Der Aachenhead ist ein Akustik-Kunstkopf, den die Aachener Firma Head Acoustics entwickelt hat. Damit können Autobauer Störgeräusche finden und beheben. „Es gibt wohl keinen Autohersteller, der unsere Technologie nicht nutzt“, sagt der Vertriebsleiter von Head Acoustics, Christian Krohn.

Das Unternehmen beschäftigt weltweit 120 Mitarbeiter und ist ein Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft in Aachen. Firmengründer Klaus Genuit hat an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) studiert, der Akustik-Kunstkopf war Thema seiner Promotion. Die Kooperation mit der RWTH ist weiterhin wichtig für die Firma. „Ein Großteil unserer Ingenieure kommt von dort“, sagt Krohn.

Mit seiner Vielzahl von Universitäten und Forschungseinrichtungen ist die Region Aachen ein wichtiger Technologiestandort. Nach Angaben des Europäischen Patentamtes lag Aachen mit 43 Hightech-Patenten im Jahr 2002 zusammen mit der Region München in Deutschland auf dem ersten Platz.

Unternehmensgründungen aus Hochschulen und Unternehmen spielen eine große Rolle für die Region. In den vergangenen 30 Jahren haben sich der Aachener Industrie- und Handelskammer (IHK) zufolge 1020 technologieorientierte Unternehmen gegründet. Die RWTH ist hier mit einem Anteil von 48 Prozent führend. Die Hochschule ist das Aushängeschild der Technologieregion Aachen. Mit 142 Mio.Euro hat sie einen Spitzenplatz unter den deutschen Hochschulen bei der Einwerbung so genannter Drittmittel. „Die RWTH ist eine Talentschmiede und vor allem zielgerichtet auf Unternehmensgründung“, sagt Iris Wilhelmi von der IHK. Um den Aufbau von Unternehmen zu fördern, arbeiten RWTH und IHK eng zusammen.

Mit der gemeinsamen Gründerstart-Stiftung werden angehende Unternehmer mit Darlehen bis zu 50 000Euro unterstützt. Seit 2000 gibt es am Lehrstuhl „Wirtschaftswissenschaften für Ingenieure und Naturwissenschaftler“ ein Gründerkolleg. „Wir versuchen, zur Unternehmensgründung zu motivieren“, sagt Lehrstuhlinhaber Malte Brettel. Das Kolleg bietet zum Beispiel Hilfe bei der Suche nach Fördermitteln.

Auch in der Aachener Automobilwirtschaft sind Spin-offs stark vertreten. Im Netzwerk Car haben sich 65 Unternehmen und Forschungseinrichtungen zusammengeschlossen. Car will kleinen und mittleren Firmen eine Plattform bieten. „Wir werden nicht primär als Automotive-Region wahrgenommen“, sagt Car-Geschäftsführer Marc Jansen. „Aber wir haben Spezialisten mit weltweiter Bedeutung.“

Zitat:

„Die RWTH ist eine Talent-schmiede“ – Iris Wilhelmi,Sprecherin der IHK –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit