Credit Suisse verkauft Winterthur an Axa

Franzosen zahlen 7,9 Mrd. Euro für Versicherer · Konsolidierungsdruck auf deutsche Anbieter wächst

Von Anja Krüger, Köln, und Heimo Fischer, Paris Der französische Versicherungskonzern Axa kauft den Rivalen Winterthur von der Schweizer Bank Credit Suisse Group (CSG) für umgerechnet 7,9 Mrd. Euro. „Der Preis entspricht den Bedingungen des Marktes, wobei klar ist, dass bei einem Unternehmen mit der Größe von Winterthur fast immer ein Aufschlag fällig wird“, sagte der Analyst Pierre Bucaille vom Pariser Wertpapierhaus Fideuram Wargny.

Axa rückt durch den Kauf näher an den europäischen Rivalen Allianz heran. Mit Winterthur steigern die Franzosen ihren weltweiten Umsatz um umgerechnet 18 Mrd. Euro auf 91 Mrd. Euro. Die Münchner Allianz kam im vergangenen Jahr auf 101 Mrd. Euro.

In Deutschland wird der neue Konzern nach Einschätzung von Marktkennern die Branche zur Konsolidierung antreiben: „Der Druck auf die kleineren und mittleren Gesellschaften steigt“, sagte ein hochrangiger Manager eines mittelgroßen Versicherers. Diese Unternehmen könnten dem enormen Kostendruck, den die Marktführer ausüben, nicht standhalten. Die Großanbieter sparen Geld, indem sie etwa die Produktion von Versicherungsprodukten ihrer verschiedenen Marken bündeln. Winterthur erwirtschaftet knapp 40 Prozent seines Geschäfts in der Schweiz und 20 Prozent in Deutschland, insgesamt ist der Versicherer in 17 Ländern aktiv.

Axa will die Übernahme über eine Kapitalerhöhung von 4,1 Mrd. Euro und Anleihen Eurofinanzieren. „Diese Transaktion ist eine einzigartige Gelegenheit, um unsere führende Position auf unserem europäischen Kernmarkt zu festigen und unsere Präsenz – insbesondere in Osteuropa und Asien – auszubauen“, sagte Axa-Chef Henri de Castries.

Die Credit Suisse beerdigt mit dem Verkauf ihr Allfinanzmodell. Der Konzern hatte Winterthur 1997 für 14,7 Mrd. Schweizer Franken gekauft, heute umgerechnet knapp 9,5 Mrd. Euro. Allerdings unternahm die Gruppe danach nur halbherzig den Versuch, Bankmitarbeiter Policen für den Versicherer und dessen Vertreter Verträge für die Bank verkaufen zu lassen. „Die Credit Swiss Group ist nun in der Lage, ihre Managementkapazität und ihre finanziellen Mittel auf die Kerngeschäfte der Bank zu konzentrieren“, sagte Walter Kielholz, Verwaltungsratspräsident der CSG.

Winterthur stand bereits vor zwei Jahren zum Verkauf, fand aber keinen Abnehmer. Schon damals war Axa interessiert, konnte sich mit der CSG aber nicht auf einen Preis einigen. Winterthur-Chef Leonhard Fischer schob den Versicherer seit 2004 wieder in die Gewinnzone. Bis vor 14 Tagen hatte das Management parallel einen Börsengang vorbereitet, brach diesen aber wegen des sich anbahnenden Verkaufs an Axa ab.

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Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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