Uniklinik setzt auf Investoren

In Essen entsteht das größte Public-Private-Partnership-Projekt Deutschlands

Von Ilse Schlingensiepen, Essen Am Universitätsklinikum Essen ist das größte Public-Private Partnership-(PPP-)Projekt der Bundesrepublik besiegelt worden. An der Klinik wird ein Protonentherapiezentrum zur Behandlung von Patienten mit Krebs errichtet – die für den Bau benötigten 115 Mio. Euro werden komplett von privaten Investoren finanziert. Ein Konsortium aus Deutscher Bank und der belgischen Fortis-Bank wird das Kapital über die Emission von Anleihen bei institutionellen Anlegern einsammeln.

Mit dem Projekt sollen PPP-Modelle in Deutschland einen Schub bekommen. „Ich vertraue darauf, dass dem Westdeutschen Protonentherapiezentrum als international wahrnehmbarem Großprojekt eine wichtige Katalysatorfunktion für die Etablierung einer eigenen Assetklasse PPP in Deutschland zukommen wird“, sagte Thomas Rüschen, Leiter Asset Finance und Leasing bei der Deutschen Bank.

Die Kooperation zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft bei Infrastrukturinvestitionen ist in Deutschland weniger verbreitet als in Ländern wie Großbritannien. Experten schätzen die Quote hier zu Lande auf fünf Prozent liegt, in der Gesundheitswirtschaft gibt es bisher nur wenige kleine Projekte. „Die Privatwirtschaft wäre bereit, diesen Weg mitzugehen“, sagte Rüschen.

Das Management der Essener Uniklinik sieht PPP als Chance, den Einschränkungen durch die leeren öffentlichen Kassen zu entkommen. „Die Hochschulbaufinanzierung läuft aus, jetzt sind innovative Wege gefragt“, so der Kaufmännische Direktor Reinhold Keil.

Planung, Bau, Finanzierung und Betrieb des Zentrums übernehmen der Baukonzern Strabag und die belgische IBA Ion Beam Applications. Das Klinikum mietet die Protonenanlage nach der Inbetriebnahme für 15 Jahre und übernimmt sie dann. Keil schätzt, dass die gesamten Kosten während der Vertragslaufzeit 300 Mio. Euro betragen.

Die Essener Mediziner wollen im Jahr 2009 die ersten Patienten behandeln, nach der Fertigstellung des Zentrums im Jahr 2011 sollen es jährlich mehr als 2000 sein. Die Therapiekosten werden bei 20 000 Euro bis 23 000 Euro pro Patienten liegen. Die Investition werde die Position seines Hauses im Wettbewerb insbesondere mit privaten Anbietern stärken, hofft Keil.

Die teure Protonentherapie ist unter Medizinern umstritten. Ihre Befürworter argumentieren, dass die Bestrahlung mit Protonen zielgenauer ist als die herkömmliche mit Photonen. Sie soll Gewebe und Organe schonen, die um einen Tumor liegen. Man wolle die Therapie nicht breitflächig anwenden, sondern gezielt bei bestimmten Patienten und ausgewählten Krankheitsbildern, betonte Keil. „Wir werden den Einsatz der Anlage wissenschaftlich begleiten.“ Einige Krankenkassen hätten bereits die Bereitschaft zur Kostenübernahme signalisiert.

Zitat:

„Es bleibt bei PPP noch viel zu tun“ – Thomas Rüschen, Deutsche Bank –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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