Managerversicherung wird billiger

Kleine und mittlere Unternehmen zahlen weniger · US-Risiken sind teuer

Von Herbert Fromme, Düsseldorf Der Preisverfall in der Managerhaftpflichtversicherung für kleine und mittlere Unternehmen setzt sich fort. „Man findet heute immer noch einen, der es noch billiger macht“, sagte Jörg Bechert vom größten deutschen Versicherungsmakler Aon Jauch & Hübener. „Da wird ein Wettbewerb losgetreten, der der D&O-Versicherung nicht gut tut“, sagte Bechert auf einer Fachveranstaltung des US-Versicherers Chubb.

In der Branche wird die Managerhaftung nach ihrem US-Vorbild Directors‘ and Officers‘ Liability Insurance genannt, abgekürzt D&O.

Heute zahlen kleine Unternehmen ohne Börsennotierung ein bis drei Promille der versicherten Summe, sagte Chubb-Manager Bijan Daftari. „Das gilt aber nur, wenn es sich nicht um ein Biotech-Unternehmen, eine Baufirma, ein Gas- oder Ölunternehmen handelt“, sagte Daftari. US-Aktivitäten verteuerten den Schutz deutlich.

Für ein börsennotiertes Unternehmen mit 15 Mrd. Euro Börsenkapitalisierung bezifferte Daftari die Prämie mit ein bis zwei Prozent der versicherten Summe, wird eine Gesellschaft in den USA gelistet, sind oft 15 Prozent fällig. Die hohen Prämien sind der Häufigkeit von Aktionärsklagen in den USA geschuldet.

Mit D&O-Policen schützen Firmen Aufsichtsräte, Vorstände und andere leitende Mitarbeiter gegen Haftungsansprüche, die aus ihrer Tätigkeit für das Unternehmen erwachsen. Meistens werden diese Ansprüche von den Unternehmen selbst gestellt.

Versicherte Millionenansprüche gegen DaimlerChrysler-Manager Jürgen Schrempp, Deutsche-Bank-Ex-Chef Rolf Breuer oder VW-Manager Peter Hartz haben zu einer Diskussion über die D&O-Versicherung geführt. Gleichzeitig gibt es eine Reihe von Prozessen zwischen Unternehmen und Versicherern, die nicht zahlen wollen. Die Zahl dieser Prozesse sei aber angesichts der Zahl der Schäden „sehr gering“, hieß es. „D&O ist eine Haftpflichtversicherung“, sagte Makler Bechert. „Sie dient der Absicherung des Vermögens der versicherten Personen.“ Es gebe den Irrglauben, dass es sich um eine Art Refinanzierungsmöglichkeit für Unternehmen handele, eine Art Notnagel. „Das ist es gerade nicht.“

Nicht jeder unternehmerische Fehlschlag sei auf eine Pflichtverletzung eines Managers zurückzuführen, aber nur die sei versichert, sagte Fachanwalt Oliver Sieg.

Ein Versicherer müsse wenn möglich die Ansprüche gegen die Manager juristisch abwehren – obwohl sie oft von dem Unternehmen kommen, das die Prämie zahlt. Rund 70 Prozent bis 80 Prozent der begründeten Ansprüche endeten mit einem Vergleich.

Über Prämieneinnahmen und Gewinne spricht die Branche nicht. Chubb-Manager Thierry Daucourt nannte eine Marktprämie von 300 Euro bis 500 Mio. Euro für Deutschland, Bechert hält 600 Mio. Euro für realistisch. Zum Gewinn sagten sie wenig. „Vor dem Börsencrash war das eine Goldgrube ohne Ende“, sagte Daucourt. In den Jahren danach seien die Schäden höher gewesen, jetzt verdiene man wieder.

Quelle: Financial Times Deutschland


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