MLP steht vor Übernahme von Feri

Finanzvertrieb strebt Kauf aller Anteile bis 2011 anEuro

Von Reinhard Hönighaus, Frankfurt, und Herbert Fromme, Köln D er Finanzvertrieb MLP will nach FTD-Informationen 57 Prozent am Bad Homburger Vermögensberater Feri für rund 64 Mio. Euro übernehmen. Zudem bekommt MLP eine Option für den Kauf der restlichen Anteile im Jahr 2011. „Man ist sich im Prinzip einig“, hieß es gestern Abend in Finanzkreisen. Wie viel MLP in fünf Jahren für den Rest zahlen werde, hänge vom geschäftlichen Erfolg der Kooperation ab. Alle Feri-Partner sollen zunächst eine Beteiligung an der Firma behalten. Die Marke Feri bleibe erhalten.

MLP-Chef Uwe Schroeder-Wildberg zielt mit der Übernahme auf Feris Know-how bei der Beratung vermögender Kunden. Der Finanzvertrieb will sein Anlagespektrum ausbauen, da seine Kundschaft älter und damit auch vermögender wird. 150 000 der 660 000 MLP-Kunden sind bereits über 40 Jahre. Reiche MLP-Kunden sollen Zugang zu Feris Anlagekonzepten erhalten.

MLP will Reichen mehr bieten

Der Finanzvertrieb kämpft mit niedrigem Neugeschäft und Personalquerelen an der Spitze. MLP-Vertriebsvorstand Eugen Bucher musste Anfang August seinen Stuhl räumen und klagt mittlerweile gegen seine Entlassung. Zur Zeit wird das Vertriebsressort von Vorstandschef Schroeder-Wildberg wahrgenommen.

Mit Hilfe von Feri soll künftig wieder mehr Geschäft von bestehenden Kunden kommen. Gerade im Vertrieb von Versicherungen – bisher der Schwerpunkt von MLP – bietet die heutige Kundenbasis kaum noch Ansatzpunkte. So hat MLP im Jahr 2005 in einer großen Kampagne bestehende Berufsunfähigkeitspolicen in solche mit Rürup-Deckung umgewandelt. Solche Aktionen sind aber nur einmal möglich.

Seit Mai hatte MLP mit den Feri-Eignern über einen Einstieg verhandelt. Schwierigste Frage war dabei, wie die Unabhängigkeit des Bad Homburger Unternehmens bei einer Mehrheitsbeteiligung von MLP zumindest nach außen hin gewahrt werden kann. Feri-Vorstandssprecher Michael Stammler soll dem Vernehmen nach darauf gepocht haben, dass der Feri-Vorstand alle strategischen und operativen Entscheidungen weiterhin selber trifft. Inwieweit er damit Erfolg hatte, blieb gestern zunächst offen.

Feri-Partner machen Kasse

Feri war 1988 aus der privaten Vermögensverwaltung (Family Office) der Familie Harald Quandt hervorgegangen. 2001 spaltete sich einer der Gründungspartner, Jochen Sauerborn, mit einer eigenen Einheit zur Betreuung Superreicher ab und verkaufte sie 2004 für 133 Mio. Euro an die Schweizer Großbank UBS. Heute steht Feri als bankunabhängiger Vermögensberater auf drei Säulen: der Vermögensverwaltung für Superreiche mit betreuten EuroGeldern von 6 Mrd. Euro, der Beratung institutioneller Investoren, sowie dem Fondsrating und -research. 2005 machte die Feri-Gruppe mit 190 Mitarbeitern 35 Mio. Euro Umsatz.

Ob die Harald Quandt Holding, die 30 Prozent an Feri hält, ihre komplette Beteiligung verkauft, war gestern nicht zu ermitteln – ebenso wenig, wie viel die einzelnen Feri-Partner jeweils abgeben. Angesichts ungewisser Perspektiven bei Feri und verlockender Angebote von der Konkurrenz hatten sich zuletzt mehrere Feri-Führungskräfte selbständig gemacht oder abwerben lassen. Feri betonte stets, die Abhänge hätten mit MLP nichts zu tun.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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