Verdi droht Allianz mit langen Streiks

Gewerkschaft verlangt Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen · Lob für Rechtsform

Von Herbert Fromme, Frankfurt Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat der Allianz mit einer Verschärfung von Streikaktionen gedroht. Statt der bisherigen Arbeitsniederlegungen von mehreren Stunden bis zu einem vollen Tag könne es auch mehrtägige Streikaktionen geben, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Uwe Foullong in Frankfurt. „Wenn der Vorstand nicht einlenkt, werden wir die begonnene Streikwelle fortsetzen müssen“, sagte er. Die Gewerkschaft fordert von dem Versicherungskonzern den Abschluss eines Haustarifvertrags. Darin will Verdi erreichen, dass es bis 2012 keine betriebsbedingten Kündigungen in der deutschen Allianz-Gruppe gibt.

Foullong begrüßte die Vereinbarung zur Frage des neuen Betriebsrats der künftigen Allianz SE, der Europa-AG oder Societas Europaea (SE). Dort gilt weiter die Mitbestimmung, sechs der zwölf Aufsichtsräte stellen die Arbeitnehmer. Auch die Schaffung eines SE-Betriebsrats mit 37 Mitgliedern aus 24 Ländern sei positiv. „Der Betriebsrat ist auch für Beschäftigte in Ländern zuständig, die nicht direkt im Betriebsrat vertreten sind“, sagte Foullong. Das sei mit der Allianz vereinbart. Auf diese positiven Entwicklungen falle der “ dunkle Schatten“ der Entwicklung in Deutschland. Der Konzern legt gerade die Verwaltung seiner deutschen Versicherer zusammen, 5700 von 32 000 Vollzeitarbeitsplätzen sollen allein bei den Versicherungs- und Vertriebsunternehmen abgebaut werden. Dazu kommen noch 2500 Stellen bei der Tochter Dresdner Bank.

„Wer betriebsbedingte Kündigungen androht, der provoziert und produziert Widerstand“, sagte Foullong. Auch Verdi erkenne an, dass der Strukturwandel und die entsprechenden Umstrukturierungsprozesse nicht ohne Arbeitsplatzabbau vonstatten gehen könnten. Aber das könne mit Hilfe von Abfindungen und der natürlichen Fluktuation erreicht werden – die Foullong für 2005 mit 5,5 Prozent, davon 0,8 Prozent durch Kündigungen der Unternehmen, bezifferte.

Die Allianz verhandelt zurzeit mit ihren Betriebsräten über einen Interessenausgleich. Foullong machte klar, dass es der Gewerkschaft auch Recht wäre, wenn in diesem Verfahren der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen erreicht würde. Die Forderung nach einem Haustarif wurde offenbar auch aus taktischen Gründen erhoben. Nur dafür darf Verdi streiken, für Forderungen innerhalb des Interessenausgleichs nicht.

Im Windschatten der Allianz hätte eine ganze Reihe von Versicherern einen teils drastischen Stellenabbau auf den Weg gebracht, sagte Foullong. „Die gesamte Versicherungsbranche brennt.“ Verdi befürchtet, dass bis Ende 2008 rund 20 000 Angestelltenstellen bei den Versicherern abgebaut sein könnten. Ende 2005 waren dort 233 000 Angestellte beschäftigt. Bei Verdi seien etwa 15 Prozent der Belegschaftsangehörigen organisiert. Teile der deutschen Versicherungsmanager hätten die Politik des sozialen Konsenses aufgegeben. Es gebe auch positive Beispiele, sagte Foullong und nannte die Eingliederung der gerade übernommenen Karlsruher-Gruppe in den W&W-Konzern.

Zitat:

„Die gesamte Versicherungsbranche brennt“ – Verdi-Vorstand Uwe Foullong –

www.ftd.de/allianz

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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