Mit Vielfalt denEngpass überwinden

Ob gebraucht oder neu – Schiffe sind teuer geworden. Das macht es so schwierig, lohnende Fonds zu konzipieren. Die Initiatoren suchen jetzt nach anderen Typen und wählen immer öfter die Massengutfrachter

VON Katrin Berkenkopf Zwar lassen sich Schiffsfonds nicht mehr ganz so leicht verkaufen wie noch vor einem Jahr, aber die Geschäfte der Fondshäuser laufen weiterhin gut. „Bei manchen Fonds dauert es einige Monate, bis sie platziert sind. Das ist nicht schlimm, aber ganz anders als früher“, sagt Schiffsfonds-Experte Jürgen Dobert. „Geht die Platzierung zu schnell, kommt es nur zu übereilten Käufen.“

Die Vertriebe beunruhigt mehr der manchmal schleppende Nachschub an neuen Projekten. Hohe Preise für Neubauten und gebrauchte Schiffe machen es schwierig, lohnende Fonds zu konzipieren.

Und die Fondshäuser müssen immer weiter in die Zukunft vorausschauen: „Früher dauerten neue Projekte rund zwei Jahre bis zur Ablieferung. Da konnte man die Perspektiven des Marktes ganz gut beurteilen“, sagt Shaun Harbinson, Geschäftsführer des Emissionshauses Conti. Heute müssen die Besteller bis zu vier Jahre warten, wenn sie bei einer Werft ein neues Schiff ordern. Niemand kann vorhersehen, wie sich die Schifffahrtsmärkte bis dahin entwickelt haben, und Reedereien schließen so früh keinen Chartervertrag für die Schiffe ab. Deshalb müsse das Risikomanagement umgestellt werden, so Harbinson. Conti hat einen Teil seiner bestellten Schiffe daher verkauft.

Die Schwierigkeiten, geeignete neue Projekte zu finden, führen zu einer Diversifizierung bei den Schiffstypen. So hat Nordcapital, das jahrelang auf Containerschiffe fokussiert war, im August zum ersten Mal einen Fonds mit einem Massengutschiff auf den Markt gebracht. „Der Bedarf an Massengutfrachtern ist groß, insbesondere Chinas Erz- und Kohleimporte sind Motor des Marktes“, sagt Geschäftsführer Hans-Jürgen Kaiser-Blum. „Allein bei Eisenerz ist das weltweite Transportvolumen in den letzten fünf Jahren um fast die Hälfte gestiegen.“ Auch langfristig sei mit einer hohen Nachfrage nach solchen Schiffen zu rechnen, denn die Flotte sei überaltert, und jeder dritte Frachter werde auf absehbare Zeit ausgemustert.

Während sich die Charterraten für Containerschiffe, aus denen die Fonds ihre Einnahmen beziehen, seit dem Rekordhoch im Sommer 2005 abgeschwächt haben und vermutlich weiter leicht sinken, geht der Kurs bei den sogenannten Bulkern nach oben. „Seit Jahresbeginn haben sich die Raten praktisch verdoppelt“, sagt Michael Ide, Vorstand bei Ideenkapital. Das Düsseldorfer Fondsunternehmen ist eine Tochter der Versicherungsgruppe Ergo.

Containerschiffe dominieren noch immer bei den Schiffsfonds, allerdings ist ihr Anteil in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Nach Berechnungen des Brancheninformationsdienstes Fondstelegramm machten sie 2005 noch 61 Prozent aller Fonds aus. 2001 waren es noch mehr als 71 Prozent. Auf Rohöltanker entfielen im vergangenen Jahr immerhin 13 Prozent der Investitionen, auf Massengutschiffe nur drei Prozent.

Für den Anleger, der bislang nur Containerschiffe kannte, sind die neuen Schiffstypen deshalb erklärungsbedürftig. „Das Massengutschiff stand als Anlageklasse bislang einfach nicht im Vordergrund“, sagt Ide. Wichtig für die Investoren sei es, dass die Schiffsbetriebskosten nicht zu knapp kalkuliert seien. Denn die Preise für Öl und Schmierstoffe, Versicherungen und die Crew sind stark gestiegen, und diese Entwicklung dürfte weitergehen. „Es macht einen großen Unterschied, ob Sie mit zwei oder drei Prozent Steigerung pro Jahr rechnen“, sagt Dobert. „Die Entwicklung der Betriebskosten darf keine Entschuldigung für niedrigere Ergebnisse als prospektiert sein.“

Grundsätzlich ist für die Investoren nicht der Schiffstyp entscheidend, sondern die Konzeption des Fonds, sagt Jürgen Salamon, Chef des Emissionshauses Dr. Peters. „Bei uns sorgt das Prinzip der Langzeitcharter für Einnahmesicherheit.“

Bei Massengutschiffen ließe sich das aber im Moment kaum verwirklichen. „Wir würden gerne wieder Bulker anbieten, uns fehlt aber die geeignete Kombination aus Charter und Kaufpreis.“ Deshalb ist das Unternehmen, das sich in den letzten Jahren vor allem als Spezialist für Tanker einen Namen gemacht hat, auf der Suche nach einer Reederei, mit der es in diesem Bereich langfristig zusammenarbeiten kann. Vorerst wird es wieder einen Tankerfonds auf den Markt bringen.

Schiffsexperte Dobert ist der Ansicht, dass das Problem fehlender Projekte bei vielen Häusern hausgemacht ist. „Vielfach wurden Neubauten mit Gewinn verkauft. Und Schiffe, die mehr als eine bestimmte Rendite bringen, kommen gar nicht erst in Fonds.“ Lieber boten die Fondshäuser Schiffe zu hohen Preisen zu ihrem eigenen Gewinn auf dem Weltmarkt an. Dort tauchten sie dann doch noch in einem Fonds auf.

Zitat:

“ „Das Massengutschiff stand als Anlageklasse bislang nicht im Vordergrund“ “ – Michael Ide,Vorstand Ideenkapital –

Bild(er):

Juliane Kremtz, Mitarbeiterin des Weingutes Proschwitz, entnimmt aus einem Absetztank eine Mostprobe, um daraus den Zucker- und Säuregehalt sowie den pH-Wert zu bestimmen – Veit Hengst

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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