Concordia muss kräftig sparen

Versicherer verliert drastisch Volumen in der Autoversicherung · Betriebsbedingte Kündigungen möglich

Von Herbert Fromme, Köln Die Hannoveraner Versicherungsgruppe Concordia plant ein weit reichendes Kostensenkungsprogramm. „Wir können betriebsbedingte Kündigungen dabei nicht ausschließen, versuchen aber, sie so weit wie möglich zu vermeiden“, sagte Vorstandschef Heiner Feldhaus der FTD. Er bestätigte in Teilen einen Bericht der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Eine Fusion mit einem anderen Versicherer – genannt wurde die ebenfalls in Hannover ansässige VHV-Gruppe – sei aber ausgeschlossen. „Das wird es nicht geben“, sagte Feldhaus.

Die Probleme der Concordia sind eine direkte Folge des harten Preiskrieges unter deutschen Versicherern um die Kunden in der Autoversicherung. Die Allianz hatte die damals sehr gut verdienenden Anbieter Ende 2004 mit einer drastischen Preissenkung überrascht, die anderen Versicherer zogen nach. Der Schlag des Marktführers mit 8,7 Millionen versicherten Fahrzeugen richtete sich vor allem gegen den Marktzweiten HUK Coburg. Dieser hatte Ende 2005 7,2 Millionen Fahrzeuge versichert und gewann jahrelang auf Kosten der Allianz Marktanteile.

Die Concordia hatte sich in den Jahren 2003 und 2004 offensichtlich übernommen und muss heute dafür den Preis zahlen. Damals steigerte die Gesellschaft ihren Marktanteil in der Autoversicherung drastisch. „Die Concordia war ein sehr aggressiver Marktteilnehmer, vor allem in Norddeutschland“, sagte ein Konkurrent. Unter anderem warb die Gesellschaft mit hohen Provisionsversprechen erfolgreich Vertreter von anderen Gesellschaften ab. Um das neu gewonnene Volumen zu verarbeiten, musste sie gleichzeitig mehr Personal einstellen.

„Unsere Tarife waren ordentlich kalkuliert“, sagte Feldhaus. Allerdings habe niemand den von der Allianz begonnenen Preiskampf vorhersehen können. „Bei den Preissenkungen von Allianz, HUK Coburg und anderen wollten wir nicht mehr mitmachen“, so Feldhaus. Das Unternehmen müsse sein Eigenkapital sehr sorgfältig einsetzen. Wie jeder Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit hat die Concordia keine Aktionäre und kann nicht den Kapitalmarkt anzapfen, sie gehört ihren Kunden. Das Eigenkapital stammt im wesentlichen aus den Gewinnen. „Wir wollten auch angesichts der geplanten Eigenkapitalvorschriften nach Solvency II unsere Kapitalbasis nicht aufs Spiel setzen“, sagte Feldhaus.

Die Konsequenz: Das Unternehmen verlor dramatisch an Geschäft. 2004 hatte es 887 000 Fahrzeuge versichert, heute sind es noch 770 000. Der Rückgang um 12,5 Prozent innerhalb von 20 Monaten führt zu einem gewaltigen Kostendruck – die Strukturen sind für ein höheres Volumen mit den entsprechenden Prämieneinnahmen ausgelegt. Die Concordia-Gruppe habe heute rund 1500 Angestellte, sagte Feldhaus. Das Neugeschäft kommt von 700 Vertretern sowie Geschäftsbeziehungen mit mehr als 7000 Maklern und Mehrfachagenten.

Zum Ausmaß des Stellenabbaus wollte Feldhaus nichts sagen. „Jede Zahl wäre heute unseriös“, sagte er.

Erst Ende des Jahres will Feldhaus Einzelheiten nennen. Der Vorstand hat die Unternehmensberatung Agens aus Ellerau in Schleswig-Holstein beauftragt, ein Zukunftskonzept zu entwickeln und Vergleichswerte mit ähnlich strukturierten Versicherern zu erarbeiten. Die Concordia gehört mit 700 Mio. Euro Prämie zu den mittelgroßen Versicherern.

Aufgefangen werden müsse die Concordia nicht, sagte Feldhaus. Es habe keine Gespräche mit dem Nachbarn VHV – ebenfalls ein Versicherungsverein – über eine Fusion gegeben, fügte er hinzu. In der Branche wird ein mögliches Zusammengehen zu einem späteren Zeitpunkt nach Abschluss des Kostensenkungsprogramms aber nicht ausgeschlossen. Es wäre aber möglicherweise für VHV attraktiver als für Concordia „VHV gewänne so einen schlagkräftigen Vertretervertrieb“, sagte ein Manager.

Die Concordia ist nicht der einzige Versicherer, der wegen des Auto-Preiskrieges Kostenprobleme hat. Auch für 2007 zeichnet sich keine Entspannung ab. Trotz des wegen der Mehrwertsteuererhöhung steigenden Schadenbedarfs fallen die Prämien weiter. Die HUK Coburg, ein Versicherer mit einer sehr günstigen Kostenstruktur, nutzt offenbar die Probleme der Allianz mit ihrem Konzernumbau, um den Marktführer weiter anzugreifen. Das Problem verschärft sich noch, weil die Rückversicherer auf höheren Preisen bestehen.

Zitat:

„Unsere Tarife waren ordentlich kalkuliert“ – Concordia-Chef Heiner Feldhaus –

Bild(er):

Warnung an Versicherer: Wer wie Concordia zu sehr auf Autos setzt, kann leicht in ernste Schwierigkeiten geraten – FTD-Montage

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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