Admiral strebt auf deutschen Markt

Britischer Autoversicherer arbeitet mit Münchener Rück

Von Herbert Fromme und Patrick Hagen, Köln Der britische Direktversicherer Admiral Group, der sehr enge Beziehungen zur Münchener Rück unterhält, steht kurz vor der Gründung einer Niederlassung in Deutschland. Nach Informationen der FTD aus Versicherungskreisen hat das Unternehmen entschieden, sich in Köln niederzulassen, und sucht bereits das Spitzenpersonal. Admiral wollte dazu nicht Stellung nehmen.

In Großbritannien ist die Münchener Rück mit 65 Prozent als Mitversicherer der größte Risikoträger für den gesamten Admiral-Bestand. „Wir haben Admiral seit vielen Jahren begleitet“, sagte ein Sprecher der Münchener Rück, die größter Einzelaktionär ist. Bei Admiral ist der Konzern nicht in seiner traditionellen Rolle als Rückversicherer tätig, in der er Großhändler des Risikoschutzes ist. Stattdessen übernimmt er als Mitversicherer fast zwei Drittel der Risiken und damit auch der Prämieneinnahmen, Schäden und Gewinne.

In Spanien agieren die Münchener zwar als Rückversicherer für die gerade gegründete Admiral-Tochter Balumba.es, tragen aber auch hier den für die Autoversicherung ungewöhnlich hohen Prozentsatz von 65 Prozent des Geschäfts.

Kommt es zu der Expansion nach Deutschland, könnte die Münchener Rück ihrer eigenen Erstversicherungsholding Ergo – in der Victoria, Hamburg-Mannheimer, DKV und DAS gebündelt sind – sowie ihren Erstversicherungskunden im Automarkt als Konkurrent gegenübertreten. „Wir sprechen mit Admiral über die künftige Zusammenarbeit in anderen Ländern“, sagte der Sprecher. Entscheidungen seien noch nicht getroffen.

Ähnlich zugeknöpft gab sich Admiral. „Wir haben kein Geheimnis daraus gemacht, dass uns die kontinentaleuropäischen Märkte interessieren“, sagte Admirals Finanzchef Kevin Chidwick der FTD. Zu den Plänen für Deutschland wollte er nicht Stellung nehmen.

Drittgrößter Autoversicherer

Das Unternehmen ist in nur 14 Jahren zum drittgrößten Autoversicherer Großbritanniens geworden. Es verkauft nur per Telefon und Internet und gilt als äußerst erfolgreich. „Wir haben eine Schaden-und-Kosten-Quote von 87 Prozent der Beitragseinnahmen, das ist 20 Prozentpunkte besser als der britische Markt im Durchschnitt“, sagte Chidwick. Von jedem Pfund Prämieneinnahmen muss Admiral also nur 87 Pence für Schäden sowie Verwaltungs- und Vertriebskosten aufwenden.

Der Konzern unter seinem Chef Henry Engelhardt erzielte 2005 einen Umsatz von 638 Mio. £, ein Plus von 16 Prozent. Admiral meldete stolz einen Vorsteuergewinn von 120 Mio. £, nach 105 Mio. £ im Vorjahr. Das erste Halbjahr 2006 sah noch besser aus. Euro

Das Unternehmen ist in London börsennotiert. Die Münchener Rück hält 14,4 Prozent, weitere große Anteilseigner sind Fidelity mit 5,8 Prozent, Barclays Bank mit 4,9 Prozent, Jupiter Asset Management mit 4,8 Prozent und Goldman Sachs mit 3,9 Prozent.

Der schärfste Konkurrent ist die Royal Bank of Scotland, der die beiden ebenfalls direkt vertreibenden Versicherer Churchill und Direct Line gehören.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit