Makler Marsh geht in die Offensive

Unternehmen will durch Erweiterung des Geschäftsmodells Terrain zurückgewinnen · FTD-Gespräch mit Brian Storms

Von Herbert Fromme und Heike Buchter, New York N ach zwei Jahren mit Umbau- und Aufräumarbeiten versucht der weltgrößte Versicherungsmakler Marsh, die Initiative zurückzugewinnen. „Ab jetzt spielt Marsh wieder offensiv. 2005 und in weiten Teilen von 2006 waren wir defensiv“, sagte Konzernchef Brian Storms im FTD-Interview. Marsh ist vor allem in der Vermittlung von Versicherungen für Großkonzerne tätig. Jetzt will Storms für sie die Risikoberatung ausbauen, mit neuen Angeboten für die Industrie auf den Markt kommen und andere Marktsegmente bearbeiten. Als Storms im September 2005 zu Marsh stieß, stand die Firma unter dem Eindruck des schwersten Schlags in ihrer Geschichte. Wegen Angebotsfälschung und Annahme volumenabhängiger Sonderprovisionen musste Marsh 850 Mio. $ Schadensersatz leisten und verzichtet seither auf diese Provisionen, die fast 1 Mrd. $ des Umsatzes von 6,2 Mrd. $ ausmachten.

Die Offensive kommt für Marsh keinen Moment zu früh. Die Wettbewerber Aon und Willis bedrängen den Weltmarktführer. Aon-Chef Gregory Case sieht sein eigenes Unternehmen als größten Makler der Welt. Der deutlich kleinere Konkurrent Willis wurde gar monatelang als möglicher Käufer von Marsh genannt.

Mit der Beratung von Großkonzernen beim Management ihrer Risiken hat Storms ehrgeizige Pläne. Dieses Geschäft, das weniger als 15 Prozent des Umsatzes ausmacht, soll stark wachsen. Storms beschreibt ein Beispiel: „Da gibt es den Rückruf von Tausenden von Laptopakkus. Ein Computerhersteller, der gestern allgemein noch als Weltklasse angesehen wurde, hat plötzlich ernsthafte Probleme.“ Dieses Unternehmen habe Marsh beauftragt, die Kontinuitäts- und Rückrufplanung zu koordinieren. „Das hat mit der Versicherung nichts zu tun.“ Weiteres Wachstumspotenzial sieht Storms im Maklergeschäft mit mittelgroßen Kunden mit 50 Mio. $ bis 750 Mio. $ Umsatz.

Marsh habe die Krise genutzt, um den lange fälligen Umbau zu bewältigen, sagte Storms. „Ende 2004 hätte man das auch als kurzfristige Störung betrachten können, die man übertünchen kann.“ Das habe Marsh nicht getan. Deshalb habe der Mutterkonzern MMC wohl ihn als Außenseiter geholt. Storms war vorher Chef der Personalberatung Mercer, die auch zu MMC gehört. Nach seinem Antritt bei Marsh hat er die Maklerfirma radikal umgekrempelt, die Strukturen vereinheitlicht und verschlankt.

Dazu kommt die Vereinheitlichung über Ländergrenzen hinweg. „Unsere global arbeitenden Kunden wollen nicht mit einem Unternehmen zusammenarbeiten, das in verschiedenen Ländern so unterschiedlich an die Dinge herangeht.“ Von Managern, die das anders sehen, trennt er sich – wie gerade von mehreren Länderchefs in Europa. Bis 2008 will Storms die Kosten um 915 Mio. $ senken, 730 Mio. $ sind es bisher. Die Mitarbeiterzahl schrumpfte von 30 000 unter 25 000. Zum Teil gingen die falschen Leute, gesteht Storms. „Wir beginnen jetzt erst damit, aggressiver um Mitarbeiter zu werben. Das hätte ich früher machen sollen.“ Auch ins Geschäft mit mittelgroßen Firmen hätte er früher einsteigen können.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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