US-Staaten greifen Versicherer an

Florida baut Staatsdeckung für Hurrikanschäden aus · Rückversicherern drohen sinkende Preise

Von Heike Buchter, New York, und Herbert Fromme, Köln Nach dem US-Bundesstaat Florida geht jetzt auch Mississippi auf Konfrontationskurs zu den privaten Versicherungsgesellschaften. Am Freitag kündigte Generalstaatsanwalt Jim Hood einen Gesetzentwurf sowie eine einstweilige Verfügung an, die den Versicherer State Farm zwingen soll, unverändert Gebäudeversicherungen anzubieten. State Farm ist der größte Gebäudeversicherer in dem Staat. Das Unternehmen hatte zuvor bekanntgegeben, dass es sich nach hohen Schäden im Gefolge von „Katrina“ und erheblichem Druck in der Schadenabwicklung aus dem Markt zurückziehen werde.

Hood reagierte scharf: „Wir haben hier einen Räuberhauptmann, der am Mississippi ein Exempel statuieren will.“ Die Maßnahmen in Mississippi und anderen Staaten folgen harschen Preissteigerungen für Hausbesitzer, die oft das Dreifache zahlen müssen. In Florida waren die Versicherungspreise eines der wichtigsten Wahlkampfthemen im Herbst. Obwohl er Republikaner ist, hat sich Gouverneur Charlie Crist sofort nach der Amtsübernahme im Januar darangemacht, die Rolle des Bundesstaats in der Versicherung auszuweiten.

Rückversicherer weltweit sind beunruhigt wegen des Ausbaus der staatlichen Rückversicherungskapazität. Das Staatsparlament hat die Kapazität des Florida Hurricane Catastrophe Fund (FHCF) glatt auf 37 Mrd. $ verdoppelt. Der Fund ist billiger als private Rückversicherer, weil er steuerfrei arbeitet und auf einer Staatsgarantie beruht. „Das hat einen negativen Einfluss auf den Markt im Bereich Katastrophen-Rückversicherung“, sagte Wilhelm Zeller, Chef der Hannover Rück. Betroffen sind auch Swiss Re und Münchener Rück. Die Analysten von Bear Stearns fürchten marktweite Preisabsenkungen als Folge von FHCF.

Auch die Citizen’s Property Insurance spielt künftig eine wichtigere Rolle. Per Gesetz war sie gezwungen, immer teurer anzubieten als die private Konkurrenz. Das hat Crist geändert. Jetzt kann die staatliche Gesellschaft billiger anbieten und mehr Kapazität zur Verfügung stellen.

Schließlich zwang Crist per Dekret alle Versicherer, ihre Preise stabil zu halten, Kündigungen zurückzunehmen und Pläne, den Markt zu verlassen, auf Eis zu legen. Das Ziel: Die Preise für Deckungen sollen um rund 25 Prozent sinken. Branchenexperten kritisieren, dass durch solche Eingriffe Neubauten in sturmexponierten Lagen begünstigt werden, die sonst wegen der hohen Versicherungspreise unterblieben. Mit den Eingriffen verdiene sich der Staat den Ehrentitel „Volksrepublik Florida“, spottete der bekannte Analyst Vincent Dowling.

Gouverneur Crist verwies auf die hohen Gewinne, die die Branche im vergangenen Jahr eingefahren hat. „Floridas Hausbesitzer tragen die schwere Last der Versicherungskosten, diese Last bedrückt unsere Leute und geht auf Kosten unserer Lebensqualität“, sagte Crist. Die Politiker fürchten, dass sich deswegen die Abwanderung verschärfen könnte. Auch Louisiana prüft staatliche Maßnahmen, um die Kosten einzudämmen.

Zitat:

„Das hat einen negativen Einfluss auf den Markt““ – Wilhelm Zeller,Hannover Rück –

Bild(er):

Aufgebracht wegen hoher Versicherungspreise: Floridas Gouverneur Charlie Crist (l.) lauscht den Nöten der Bürger

www.ftd.de/usa

www.ftd.de/usa

Der Staat und die Rückversicherer

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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