Versicherer Baloise kauft Partner in Life

Zweitverwerter von Lebenspolicen umstritten

Von Herbert Fromme, Köln Die Schweizer Versicherungsgruppe Baloise hat nach Informationen der FTD 56 Prozent an dem Lebensversicherungs-Zweitverwerter Partner in Life (PiL) in Luxemburg übernommen. Auch an der Eutiner Vermarktungs- und Bewertungsagentur Gap Management, die für PiL den Ankauf von Secondhand-Lebenspolicen organisiert, hält die Basler Versicherungs-Beteiligungsgesellschaft jetzt 56 Prozent. Die Minderheiten liegen bei einer britischen Firma, an der das Management und andere Investoren beteiligt sein sollen.

In Deutschland arbeitet die Baloise über ihre Tochter Deutscher Ring in Hamburg und die Niederlassung Basler in Bad Homburg. Deutscher-Ring-Chef Wolfgang Fauter bestätigte die Übernahmen. „Das könnte ein Zukunftsmarkt werden“, sagte Fauter der FTD. „Außerdem ist es ein gutes Finanzinvestment.“

Zweitvermarkter übernehmen Policen von Kunden, die vor der vereinbarten Laufzeit aus einem Vertrag aussteigen wollen. Sie zahlen ihnen mehr, als diese bei Kündigung von ihrem Versicherer erhalten würden. Dann führen die Zweitverwerter die Police fort und kassieren bei Laufzeitende die Auszahlungssumme.

Zweitgrößter Anbieter

Baloise hat die PiL-Mehrheit bereits 2006 übernommen, die Transaktion bisher aber geheim gehalten. Offenbar befürchtete das Unternehmen negative Reaktionen im eigenen Vertrieb – mancher Vertreter könnte sich fragen, warum PiL den Kunden bei Kündigung mehr zahlt als die Lebensversicherer.

PiL ist nach Cash Life zweitgrößter Anbieter auf dem deutschen Markt und hat auch ein Standbein in Großbritannien. Nach Angaben von Gründer und Chef Jörg Flohr hat das Unternehmen 2006 rund 1500 Policen mit einem Volumen von 50 Mio. Euro übernommen. Den PiL-Bestand an deutschen Lebensversicherungen bezifferte Flohr mit 275 Mio. Euro, den an britischen Verträgen mit 115 Mio. Euro. Kooperationspartner in Deutschland ist auch die Postbank, deren Berater das PiL-Angebot ihren Kunden anbieten. Das Unternehmen refinanziert sich unter anderem durch einen von M.M. Warburg aufgelegten offenen Fonds. Bei der zweiten Angebotslinie, dem Policendarlehen, arbeitet PiL mit der Postbank-Tochter DSL Bank zusammen.

Steuervorteile genutzt

Viele Versicherer betrachten die Zweitverwerter mit großer Skepsis. „Es handelt sich um Rosinenpickerei“, sagte ein Sprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. Die Zweitverwerter profitierten von der gegenwärtigen Zinssituation und von einem Steuerschlupfloch. Wer seine Police vor Ablauf von zwölf Jahren beim Versicherer kündigt, muss auf die Erträge Kapitalertragssteuer zahlen. Der Zweitverwerter hat das Problem nicht, weil er die Policen weiterführt. PiL-Chef Flohr bestreitet, dass der Steuervorteil entscheidend sei. „Weniger als zehn Prozent der von uns übernommenen Policen profitieren davon.“

Auch die zur Münchener Rück gehörende Victoria sieht den Zweitmarkt kritisch. „Es wird der kollektive Charakter von Lebensversicherungen in Frage gestellt, wenn neue Vertragspartner ausschließlich die Policen mit geringen Restlaufzeiten aus dem Gesamtbestand herauskaufen,“ sagte ein Sprecher.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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